VV in Nordrhein

Protest mit dem Sarg

Protest der besonderen Art: Mit einem Sarg machen Fachärzte in Nordrhein auf die knapp bemessenen RLV aufmerksam. Die KV will ernst genommen werden - und ruft die Polizei.

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Fachärzte demonstrieren bei der KVNo-Vertreterversammlung gegen die Unterfinanzierung ihrer Fachgruppen, die Hautärzte tragen symbolisch die Dermatologie zu Grabe.

Fachärzte demonstrieren bei der KVNo-Vertreterversammlung gegen die Unterfinanzierung ihrer Fachgruppen, die Hautärzte tragen symbolisch die Dermatologie zu Grabe.

© Ilse Schlingensiepen

DÜSSELDORF. Ungewöhnlicher Auftakt zur Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo): Um auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen, haben Dermatologen symbolisch ihr Fachgebiet zu Grabe getragen.

Gegen den ausdrücklichen Willen der KVNo-Führung setzten sie dabei auch einen echten Sarg ein. Sie mussten ihn wieder entfernen, nachdem die KVNo die Polizei gerufen hatte.

Man habe nichts gegen den Protest der Fachärzte, betonte KVNo-Chef Dr. Peter Potthoff. Sie hätten aber gewusst, dass der Sarg nicht aufgestellt werden durfte und ihn auch auf Aufforderung nicht weggeschafft. "Wir müssen zeigen, dass wir ernst genommen werden wollen", sagte Potthoff.

Für ihre Aktion hatten die Dermatologen, die von HNO-Ärzten und anderen Fachgruppen unterstützt wurden, weder Kosten noch Mühen gescheut. Zwei Bestatter hatten den Sarg in einem echten Leichenwagen zum Ärztehaus gebracht, eine Reihe von Kränzen und Schleifen machten die Aufbahrung perfekt.

"Ein absolute berechtigtes Anliegen"

"Für 12 Euro ging es nicht mehr", hieß es auf einer Schleife unter Anspielung auf die Regelleistungsvolumina der Dermatologen. Oder: "Wir trauern um unsere schöne Dermatologie" und "Der Sparzwang hat sie uns entrissen".

Drei der Fachärzte durften in der VV ein Statement abgeben. Die Hautärztin Dr. Christina Engels aus Aachen bezeichnete den mit Polizeihilfe erzwungenen Abtransport des Sargs als "eigentlich unglaublich".

"Wir haben nämlich ein absolut berechtigtes Anliegen." Betriebswirtschaftlich gerechnet dürften sich die Dermatologen nur noch drei Minuten pro Quartal um einen Patienten kümmern, sagte Engels.

Den konservativen Orthopäden in der KVNo drohe der Exitus, warnte Dr. Steffen Kauert, Orthopäde aus Wuppertal. Die Fallwerte deckten die Kosten pro Patient nicht mehr. "Viele Praxen sehen sich inzwischen gezwungen, die Patienten abzuweisen, wenn die Vorjahres-Fallzahl erreicht ist."

Als Ausdruck der Unterfinanzierung im fachärztlichen Bereich in Nordrhein seien die Proteste berechtigt, sagte der VV-Vorsitzende Dr. Frank Bergmann. "Nahezu alle Fachgruppen in Nordrhein haben Anlass zur Sorge." (iss)

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