Netzwerkbildung

Psychosoziale Hilfe für junge Krebskranke

Psychosoziale Unterstützung von Kassen setzt bei jungen Erwachsenen mit Krebs erst an, wenn eine psychische Diagnose vorliegt, kritisieren Experten.

Veröffentlicht:

MÜNCHEN. Junge Erwachsene mit Krebs haben andere Bedürfnisse als Kinder oder ältere Erwachsene: Die Diagnose Krebs trifft sie zu einem Zeitpunkt, an dem sie gerade dabei sind, sich ein eigenes Leben aufzubauen, erinnerte Professor Wolfgang Hiddemann, Direktor der Medizinischen Klinik III am Uni-Klinikum München-Großhadern, vor der Presse in München.

Je nach Alter und persönlicher Entwicklung spielen vor allem Themen wie die Ablösung vom Elternhaus, Unabhängigkeit, Ausbildung und Karriereplanung, Freunde und Partner, Sexualität oder die Gründung einer Familie eine wichtige Rolle, erklärte Hiddemann, der auch Vorsitzender des Vereins "Lebensmut" ist. "Gedanken an Krankheit oder Tod sind da ganz weit weg", so Hiddemann.

Junge Krebskranke müssen sich mit einer existenziell bedrohlichen Erkrankung auseinandersetzen, die nicht vorhersehbare Langzeitfolgen einer Chemo- und Strahlentherapie wie Unfruchtbarkeit, Zweit-Neoplasien oder andere Folgeerkrankungen nach sich ziehen kann, sagte Professor Günter Schlimok, Präsident der Bayerischen Krebsgesellschaft und ehemaliger Chefarzt der II. Medizinischen Klinik am Klinikum Augsburg.

Psychosoziale Beratung möglichst früh

Für junge Erwachsene mit Krebs sei es daher sehr wichtig, möglichst früh psychosoziale Beratung durch Psychoonkologen zu bekommen, forderte Dr. Pia Heußner, Leiterin des interdisziplinären Zentrums für Psycho-Onkologie (IZPO) am Klinikum der Uni München.

Leider gebe es für diese Patienten eine von den Krankenkassen finanzierte Unterstützung erst dann, wenn die Betroffenen eine psychische Diagnose haben. Wünschenswert seien jedoch auch begleitende psychosoziale Beratungs- und Betreuungsangebote.

Weil es derzeit in Bayern nur wenige spezialisierte Angebote für junge Erwachsene gibt, wollen der Verein "Lebensmut" und die Bayerische Krebsgesellschaft am 20. Oktober in München ein eigenes Netzwerk gründen, um jungen Erwachsenen bei der Krankheitsbewältigung zu helfen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen, kündigte Markus Besseler, Geschäftsführer der Bayerischen Krebsgesellschaft, an. (sto)

Mehr zum Thema

Tagesaktuelle RKI-Zahlen

Das Corona-Infektionsgeschehen in den Kreisen

Netzwerk Hauptstadt Urologie

Neuer Versorgungsvertrag der AOK Nordost bei Prostata-Ca

Kooperation | In Kooperation mit: AOK-Bundesverband
Das könnte Sie auch interessieren
Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

CAR-T-Zelltherapie

OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Management tumorassoziierter VTE

CME-Fortbildung

Management tumorassoziierter VTE

Anzeige | Leo Pharma GmbH
CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Empfehlungen

CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Anzeige | Leo Pharma GmbH
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nachmittags: das schnelle Telegramm. Am Morgen: Ihr individuell zusammengestellter Themenmix.

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Keine Priorisierung mehr: Spritzen mit Corona-Impfstoff von J&J.
Update

Primär für über 60-Jährige

Corona-Vakzine von Johnson & Johnson ohne Priorisierung

Herzschutz nach Infarkt: Forscher testen auch hier neue Therapiestrategien, um etwa einer Herzinsuffizienz vorzubeugen.

Sacubitril/Valsartan

ARNI-Therapie enttäuscht bei Postinfarkt-Patienten