Arzneimittelpolitik

Rechtliche Folgen für DocMorris-Apotheken mit Pick-up-Modell?

Veröffentlicht: 27.05.2011, 05:00 Uhr

KIEL (run). Gegen die beiden DocMorris-Apotheken in Pinneberg und Elmshorn, die seit Kurzem einen Pick-up-Service in der Offizin in Kooperation mit der niederländischen DocMorris-Versandapotheke anbieten, prüft die zuständige Apothekerkammer Schleswig Holstein jetzt rechtliche Schritte. "Wir haben das Sozialministerium als Aufsichtsbehörde über den Vorgang informiert.

Denn nach unserer Einschätzung verstößt dieses Modell gegen die Apothekenbetriebsordnung", so der Geschäftsführer der Kammer Frank Jaschkowski zu ApothekerPlus. Diese beinhalte nicht das Recht, Teile des Betriebs Dritten zur Vermarktung zu überlassen.

Geprüft werde auch, ob ein Verstoß gegen die Berufsordnung vorliegt. Direkten Kontakt mit der Inhaberin der beiden Apotheken habe man seitens der Kammer aber noch nicht aufgenommen.

Nach Auffassung von Jörn Graue vom Apothekerverband Hamburg und Vorstandsmitglied des Deutschen Apothekerverbands verstößt ein Pick-up-Modell in der Offizin vor allem gegen die §§ 17 und 4.5 der ApBetrO.

Dass die DocMorris Versandapotheke trotz ihres Beitritts zum Rahmenvertrag von GKV und DAV weiterhin mit Boni für Rezepte werbe, werde zwar vom DAV kritisch wahrgenommen. Ein juristisches Einschreiten des DAV bei einer holländischen Versandapotheke sei jedoch sehr schwierig, meint Graue.

Graue sieht vielmehr in den neuen rigiden Regelungen der holländischen Aufsichtsbehörden Bremsen für den Versandhandel. Denn danach müssen die Versandapotheken mit einer Übergangsfrist von vier Monaten künftig wie die dortigen Präsenzapotheken ausgestattet sein.

Zudem müssen Rezepte - also auch die aus Deutschland - eine Gebrauchsanweisung haben. Hinzu komme, dass einige Hersteller weiterhin den ausländischen Versandapotheken, auch nach Beitritt zu einem Rahmenvertrag, keine Herstellerabschläge erstatteten, sodass auch damit deren wirtschaftlicher Spielraum beschränkt werde.

Dies könne zusammen dazu führen, dass das bisher lukrative Versandgeschäft nach Deutschland an Attraktivität verliere.

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