Gesundheitsberufe

Reformplan für neue Berufsgesetze bleibt vage

In etlichen Bundesländern müssen Schüler in Gesundheitsberufen immer noch für ihre Ausbildung zahlen. Wankt der Reformzeitplan?

Veröffentlicht: 20.11.2019, 15:11 Uhr

Berlin. Die Bundesregierung lässt nicht erkennen, in welchem Zeitraum die Berufsgesetze vieler Gesundheitsfachberufe novelliert werden sollen.

Auch in der Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag belässt es die Regierung im Wesentlichen bei einer Paraphrase des Koalitionsvertrags. Man wolle „zusammen mit den Ländern“ die Ausbildung „neu ordnen und stärken und dafür ein Gesamtkonzept“ erarbeiten. In diesen Gesprächen sollen Fragen wie die Durchlässigkeit der Ausbildungen, der Akademisierung, der Schulgeldfreiheit und der Ausbildungsvergütung erörtert werden.

Immer noch selbstfinanziert

Ursprünglich hat das Bundesgesundheitsministerium Reform-Eckpunkte bis Ende dieses Jahres angekündigt. Mit Ausnahme der Pflegeausbildung, die seit diesem Jahr schuldgeldfrei ist, müssen Schüler in den Gesundheitsfachberufen ihre Ausbildung teilweise immer noch aus der eigenen Tasche finanzieren.

Längst hat sich – angesichts fehlender bundeseinheitlicher Vorgaben – ein föderaler Flickenteppich entwickelt: In Bayern erhalten Berufsfachschulen für neun Berufe seit März einen sogenannten klassenbezogenen Zuschuss, in Hamburg ist die Ausbildung in Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie seit April kostenlos – allerdings ist diese Projektförderung nur bis Ende 2020 garantiert.

Niedersachsen gibt seit diesen August Fördermittel direkt an die Schulen, Nordrhein-Westfalen finanziert rückwirkend zum September 2018 70 Prozent des Schulgelds. Schleswig-Holstein gewährt seit Jahresanfang kostenfreie Ausbildungen, allerdings nur für angehende Ergo- und Physiotherapeuten sowie Logopäden.

Akademisierung geplant oder nicht?

Keine Aussage gibt die Regierung über den Umfang der geplanten Akademisierung: Minister Jens Spahn (CDU) hat eine von Heilmittelverbänden geforderte Vollakademisierung vehement abgelehnt. Zuletzt im September erklärte Spahn, eine Ausbildung an der Universität könne die bisherigen Ausbildungswege allenfalls ergänzen.

Physiotherapeutenverbände haben der Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die über Eckpunkte für eine Reform der Berufsgesetze berät, im Sommer ein klares Votum übermittelt: Die hochschulische Ausbildung stelle „den einzig richtigen Weg“ dar.

Die Verbände fürchten um die Attraktivität ihrer Berufe, denn die Ausbildungszahlen sind seit Jahren rückläufig. Im Schuljahr 2010/11 belief sich die Zahl angehender Physiotherapeuten auf bundesweit 23 139. Sieben Jahre später sind es nur noch 21 220 (Schuljahr 2017/18) gewesen. (fst)

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