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"Pille danach"

Regierung prüft OTC-Freigabe

Veröffentlicht:

BERLIN. Nach einem Expertenvotum prüft die Bundesregierung die Aufhebung der Verschreibungspflicht von Levonorgestrel als Notfallkontrazeptivum. Das sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Freitag in Berlin.

Er fügte allerdings an: "Es gibt da noch keine abschließende Meinungsbildung dazu." Der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte Mitte der Woche empfohlen, dass das Arzneimittel künftig rezeptfrei, aber apothekenpflichtig erhältlich sein soll. Der Ausschuss hatte damit seine Empfehlung aus dem Jahr 2003 erneuert.

In der Union gibt es dagegen Widerstand. SPD und Opposition sind für die Freigabe. Auch die Bundesärztekammer (BÄK) wandet sich gegen die Entlassung aus der Rezeptpflicht. BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery sagte, die Arznei bleibe ein "Notfallmedikament mit Nebenwirkungen". Dafür sei eine ärztliche Beratung nötig. (eb)

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 19.01.201413:10 Uhr

Wider besseres Wissen?

Auch nach dem Expertenvotum tappen die Mitglieder/-innen der Bundesregierung im Dunkeln. Ihre potenz(?)iellen "Pechpill"-Situationen liegen lange zurück. Während meine letzte ärztliche Beratung und Rezeptausstellung in dieser Situation erst vor gut 2 Wochen war.

Es gibt 2 (zwei) Varianten:
• einen selektiven Progesteronrezeptor-Modulator mit 30 mg Ulipristalacetat (ellaOne®)
• das Präparat, um das es bei der Rezeptfreigabe geht, mit dem bezeichnenden Namen PiDaNa® mit 1,5 mg Levonorgestrel.

Beides sind Akutmedikamente mit Nebenwirkungen, die ärztliche Beratung auch zur Unzeit, abwägende Information, einen "informed consent" zur Einnahme und zügige Apotheken-Verfügbarkeit mit Beratung ggf. auch dort erfordern.

Aber was hat die Bundesregierung im Vorfeld s e l b s t für die bessere informationelle Selbstbestimmung der Anwenderinnen getan? Dazu gehören neben Aufklärung, Sexualkunde, Biologie-Unterricht, Sicherstellung ärztlicher Erreichbarkeit rund um die Uhr bzw. Kompetenz und Erfahrung im Umgang mit Ratsuchenden in dieser speziellen Frage auch eine gewisse Empathie u n d weltanschauliche Toleranz.

D i e s e lassen aber insbesondere Parteien mit dem großen "C" in ihrem Namen und leider auch manche Ärzte/-innen, die unter der "Fuchtel" katholischer Krankenhausträger oder fundamentalistischer Ideologien stehen, schmerzlich vermissen.

Vielleicht ist bei vielen die Erinnerung bereits verblasst, aber es gab sogar eine von PRO FAMILIA initiierte Petition "Notfallverhütung für vergewaltigte Frauen in ALLEN deutschen Krankenhäusern" auf Change.org http://www.change.org/de/Petitionen/notfallverhütung-für-vergewaltigte-frauen-in-allen-deutschen-Krankenhäusern

Weil einer Patientin in dieser traumatisierenden Situation in einer Kölner katholischen Klinik die Verordnung der postkoitalen Kontrazeption verweigert wurde. Die Journalistin Inge Schliegensiepen hat hier in der ÄZ mehrfach darüber berichtet.
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/klinikmanagement/article/829839/ethik-berufen-katholische-kliniken-verweigerten-hilfe.html

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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