Berufspolitik

Regierung und Firmen sagen Magermodels den Kampf an

BERLIN (ble). In Deutschland sollen künftig keine Models für Kataloge oder Messen engagiert werden, deren Body-Mass-Index weniger als 18,5 beträgt. Zudem will ein großer Teil der Modebranche nur noch Kleider ab Größe 36 bewerben.

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Klapperdürre Models sollen nicht mehr als Schönheitsideal beworben werden.

Klapperdürre Models sollen nicht mehr als Schönheitsideal beworben werden.

© Foto: dpa

Darauf einigte sich Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Freitag in Berlin mit dem Verband lizenzierter Modellagenturen, dem GermanFashion Modeverband Deutschland, dem Deutschen Mode-Institut und dem Düsseldorfer Messeveranstalter Igedo Company als Erstunterzeichner einer "Nationalen Charta der Textil- und Modebranche."

600 000 Mädchen leiden an Essstörungen

In der Charta verpflichten sich die Unterzeichner, keine Models mit einem Body-Mass-Index von weniger als 18,5 zu engagieren und keine Mode unter Kleidergröße 36 zu zeigen. Mit der Vereinbarung solle ein deutliches Signal gegen ein "unnatürliches und ungesundes Körperideal" gesetzt werden, sagte Schmidt bei der Vorstellung der Deklaration, die Teil der Kampagne "Leben hat Gewicht" ist.

Für viele junge Menschen sei die Gleichung "Schlank gleich Schön gleich Erfolg" eine Maxime, sagte Schmidt. Jeder fünfte Heranwachsende zwischen elf und 17 Jahren weise Anzeichen auf Essstörungen auf. 600 000 junge Mädchen und Frauen litten an Magersucht oder Bulimie. Zwar sei die Magersucht eine auto-aggressive psychische Erkrankung, jedoch wirke der Schlankheitswahn wie ein Motor für den Fortgang der Störung. Schmidt sprach von einem "Schicksal, das ganze Familien zerstört." Bei jungen Mädchen seien Magersucht und Bulimie die Todesursache Nummer eins, verdeutlichte die Ministerin.

Werbewirtschaft beteiligt sich nicht an Kampagne

Igedo-Geschäftsführer Frank Hartmann sagte, ein Ziel müsse sein, auch den Models zu zeigen, "dass es nicht zum Job gehört, sich zu Tode zu hungern." Als Messeveranstalter werde man künftig auch immer Mode in Größen ab 42 aufwärts zeigen, sagte er.

Allerdings haben sich andere Branchenverbände der Kampagne bisher ebenso wenig angeschlossen wie die Werbewirtschaft oder Fernsehsender. Die Ministerin sieht die Charta daher auch nur als "ersten Schritt" an, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Problematik zu schärfen.

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