Hebammen

Regierung will Datenvakuum beenden

Deutschland Hebammen sind in Not - weil die Haftpflichtversicherer sich aus dem Markt zurückziehen. Das Problem drängt, obwohl nur rund zwei Prozent der Geburten außerklinisch stattfinden, wie die Bundesregierung jetzt ermittelt hat.

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Hebamme im Dienst: Die Kassen sollen bald mehr Licht ins Dunkel bringen bei den außerklinischen Geburten.

Hebamme im Dienst: Die Kassen sollen bald mehr Licht ins Dunkel bringen bei den außerklinischen Geburten.

© Klaus Rose

BERLIN. Mit dem Datenvakuum rund um die außerklinische Geburtshilfe in Deutschland soll ab 2015 Schluss sein.

Die Interministerielle Arbeitsgruppe "Versorgung mit Hebammenhilfe" will die gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichten, "ab dem Jahr 2015 die außerklinischen Geburten, die über die GKV abgerechnet werden, differenziert nach dem Ort der Geburt in der GKV-Statistik zu erfassen". Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.

Außerklinische Geburten sollen dann nach Einrichtungen unter der Leitung von Ärzten oder Hebammen und nach Hausgeburt aufgeschlüsselt werden. Bisher existiert hierzu keine amtliche Statistik, so die Regierung.

Laut Statistischem Bundesamt kamen 2012 rund 675.944 Kinder in Deutschland zur Welt, davon 665.780 in Kliniken. Folglich müssten die restlichen 10.164 außerklinische Geburten sein. Das entspricht 1,5 Prozent.

Zwischen 2002 und 2012 schwankt der Anteil demnach zwischen 1,36 und 1,83 Prozent - im Schnitt liegt er bei 1,6 Prozent. Auch über die Zahl der in der Geburtshilfe tätigen Hebammen gibt es lediglich geschätzte Angaben.

Wo sind die Versicherer geblieben?

Dem GKV-Spitzenverband zufolge haben 2013 rund 17.700 Hebammen freiberuflich gearbeitet, davon 5140 auch in der Geburtshilfe. Die Zahl sei dabei sogar in den letzten Jahren gestiegen: 2009 waren es noch 15.300 freiberufliche Hebammen, davon 4500 in der Geburtshilfe.

Der Deutsche Hebammenverband geht von geschätzt 3500 freiberuflichen Hebammen in der Geburtshilfe aus. Aus einer Befragung des IGES-Instituts von 2011 lasse sich schließen, dass in etwa 2200 bis 3800 Hebammen freiberuflich Geburten außerhalb von Krankenhäusern begleiten, schreibt die Regierung.

Hebammen stehen derzeit im Fokus der Öffentlichkeit, da die Berufshaftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen in der Geburtshilfe immer teurer werden und sich auch noch der letzte verbleibende Versicherer aus dem Markt zurückziehen will.

Hierzu teilt die Regierung mit, dass die gesetzlichen Kassen in den vergangenen Jahren stetig mehr für Hebammenleistungen ausgegeben haben. Waren es 2010 noch 431,1 Millionen Euro, stiegen die Ausgaben 2012 auf 462,7 Millionen Euro.

Anzeichen, dass Hebammen ihren Job aufgeben

"Nach den vorläufigen Finanzergebnissen gab es 2013 einen erneuten Ausgabenzuwachs von 12,4 Prozent", gibt die Regierung an. Dennoch sieht sie "Anzeichen dafür, dass Hebammen infolge der gestiegenen Haftpflichtprämien die freiberufliche Geburtshilfe teilweise einstellen".

Eine dauerhafte Lösung werde derzeit "geprüft". Im April soll die Interministerielle Arbeitsgruppe ihre Empfehlungen veröffentlichen.

Die stetig teurer werdenden Haftpflichtprämien seien mit wachsenden Schadenssummen zu begründen, sagt die Regierung. Nach Angaben des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft sind die Ausgaben für "Personengroßschäden" infolge von Geburten zwischen 2003 und 2012 im Mittel um 6,6 Prozent pro Jahr gestiegen.

Zuletzt zahlten Versicherer 2,6 Millionen Euro. Davon machen 90 Prozent Großschäden über 100.000 Euro aus. Zwischen 2006 und 2011 seien im Schnitt 100 Personen zu Schaden gekommen, durchschnittlich gebe es zwölf Großschäden. (jvb)

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