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Deutsches Rotes Kreuz

"Renaissance des Zivilschutzes ist nötig!"

Ebola, Flüchtlingskrisen, territoriale Konflikte: Das Deutsche Rote Kreuz warnt vor Mängeln in der medizinischen Katastrophenversorgung. Deutschland sei nicht adäquat vorbereitet, sorgen sich Experten.

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:
Blick in den Umkleideraum einer Quarantänestation der Charité in Berlin.

Blick in den Umkleideraum einer Quarantänestation der Charité in Berlin.

© Tim Brakemeier/dpa

BERLIN. "Seit Ebola gibt es Grenzbereiche, in denen die medizinische Notfallversorgung nicht mehr funktionieren könnte." Diese Warnung hat der stellvertretende Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, Dr. Johannes Richert, bei einem Symposion seiner Organisation und der Gesellschaft für Recht und Politik im Gesundheitswesen in Berlin ausgesprochen.

Deutschland verfüge lediglich über 52 Spezialbetten für Ebola-Patienten – für den DRK-Krisenmanager ist dies offenbar zu wenig.

Spätestens seit 2015/16 seien neue Bedrohungsszenarien sichtbar. Territoriale Konflikte seien – erstmals seit dem Zusammenbruch des Ostblocks 1990 – wieder denkbar. Ein Beispiel dafür sei die östliche Ukraine, wo allein 500.000 Menschen aus der Donezk-Region in Flüchtlingslagern untergebracht seien.

Kalter Krieg – noch in den Köpfen

Eine politische Antwort sei darauf bislang nicht gegeben worden. "Wir brauchen aber eine Renaissance des Zivilschutzes", mahnte Richert. So klaffe die Sicherungsplanung der Innen- und Gesundheitsbehörden immer weiter auseinander.

In den Innenministerien werde immer noch wie bis 1990 – also zu Zeiten des Kalten Krieges – gedacht; die medizinische Zivilversorgung sei hingegen auf Effizienz, Wirtschaftlichkeit und hohe Kapazitätsauslastung getrimmt.

Dabei zeigten sich bereits Lücken in den Versorgungsstrukturen vor allem auf dem Land, die verschärft werden durch Fehlallokationen. So seien bis zu 80 Prozent der Rettungseinsätze keine Notfälle. Insgesamt gebe es Nachholbedarf für Kapazitäten bei Großschadenseinsätzen.

Eine nicht gelöste Herausforderung für das DRK sei die Versorgung im Konfliktfall. Dafür fehlten Szenarien, eine adäquate Vorbereitung und Kapazitätsabschätzungen durch politische Instanzen.

Das DRK und der Sanitätsdienst der Bundeswehr hätten es – nach anfänglichen Schwierigkeiten – geschafft, einen Dialog einzuleiten. Ebola habe dabei für den Schub gesorgt, dass sich unterschiedliche Strukturen – eine staatlich-militärische und eine großenteils auf ehrenamtlichem Engagement aufbauende Organisation – aufeinander zubewegt hätten.

Nationale Blutreserve existiert

Indirekte Kritik äußerte Richert am offiziellen Umgang mit der Flüchtlingskrise 2015. "Wir haben dabei tatsächlich im Katastrophenmodus gearbeitet – aber das Wort war tabu", gibt er zu bedenken.

So sei der Zivilschutz seit 1991 komplett abgebaut worden, es gebe inzwischen keine Zivillazarette mehr. Als einziges Relikt aus der Zeit vor 1990 halte das DRK noch eine nationale Blutreserve vor.

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