Mikrobiologisch ausgetrickst

Forscher stoppen Ebola-Virus-Vermehrung

Für seine Vermehrung "kidnappt" das Ebola-Virus eine körpereigene Phosphatase. Forscher konnten dies nun verhindern – und hoffen, die Grundlage für ein Heilmittel gefunden zu haben.

Von Alexander Joppich Veröffentlicht: 16.01.2018, 12:31 Uhr
Forscher stoppen Ebola-Virus-Vermehrung

Schleust man in Zellen eine künstliche Kontaktstelle ein, die anstelle des Nukleoproteins an der zelleigenen Phosphatase andockt, so behält VP30 seine Phosphat-Anhängsel (rot gefärbt).

© Dr. Thomas Kruse/ Novo-Nordisk Foundation Center for Protein Research

MARBURG. Wissenschaftlern der Philipps-Universität in Marburg ist es gelungen, einen künstlichen Hemmstoff herzustellen, der die Vermehrung des Ebola-Virus verhindert. Dies berichten sie laut einer Mitteilung im Fachmagazin "Scientific Reports" (doi: 10.1038/s41598-017-08167-8).

Die Forscher nutzten dabei die Tatsache, dass das Virus ein körpereigenes Enzym zur Vermehrung benötigt: Es greift dabei auf die Phosphatase PP2A-B56 zurück, die Phosphatgruppen an Schlüsselstellen des vireneigenen Proteins VP30 abspaltet.

An welchen Stellen VP30 phosphoryliert beziehungsweise dephosphoryliert, also keine Phosphatgruppen anlagert, entscheidet laut Forschern darüber, ob ein Ebola-Virus sich vermehrt.

Forscher verhindern Zwangsheirat mit körpereigenem Enzym

Einem Team um den Virologen Professor Stephan Becker gelang es jetzt, dieses "Kidnapping" zu verhindern (O-Ton Becker in der Mitteilung), indem sie den Koppler zwischen Virus-Protein und Phosphatase ausschalteten. Dieses Nukleoprotein mit dem Namen NP haftet beide Stoffe durch Kontaktstellen an sich und bringt sie so in Kontakt.

Durch einen künstlichen Doppelgänger (YFP-LxxIxE) des Nukleoproteins banden die Forscher die körpereigene Phosphatase. Dadurch konnte sich das Virus nicht mehr vermehren, die Phosphatgruppen konnten nicht mehr dephosphoryliert werden: Dem Virus gelang es nicht mehr, seine Genabschnitte korrekt auszulesen.

"Die Hemmung der Phosphatase könnte sich als eine Strategie anbieten, mit der sich eine Ebolavirus-Infektion bekämpfen lässt", heißt es in der Mitteilung der Forscher. Durch den Ansatz auf der Wirtsseite sei eine Resistenzentwicklung auch wenig wahrscheinlich, so die Meldung weiter.

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