Berufspolitik

Rösler gewährt Bürgern einen Blick hinter die Kulissen

Wie die Kanzlerin lädt auch Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler die Bürger am Wochenende zum "Tag der offenen Tür" ein. Der Einblick in das Minenfeld Gesundheitswesen dürfte für den Souverän aber begrenzt bleiben.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:
Hereinspaziert! Das Bundesgesundheitsministerium öffnet am Wochenende die Tore für die Bürger - und für "ausgewählte" Fragen.

Hereinspaziert! Das Bundesgesundheitsministerium öffnet am Wochenende die Tore für die Bürger - und für "ausgewählte" Fragen.

© imago / Thiel

BERLIN. Eigentlich sind Staatsbesuche den "Großen" in der Politik vorbehalten. Anders an diesem Wochenende: Dann wird den Bundesbürgern der "rote Teppich" ausgerollt. Beim "Tag der offenen Tür der Bundesregierung" hat der Souverän Gelegenheit, einen kurzen Blick hinter die Kulissen des Kanzleramts und der Ministerien zu werfen und mit Regierungsmitgliedern zu diskutieren.

Auch Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will sich eine Stunde lang den Fragen interessierter Bürger stellen - gemäß seiner Ansage, kein Bundesärzteminister sein zu wollen, sondern Bundesgesundheitsminister und damit zuständig für die Gesundheit von mehr als 80 Millionen Bürgern.

Leicht und ungefährlich ist ein solcher Job freilich nicht. Im "Haifischbecken Gesundheitswesen" die Auf- und Übersicht zu behalten, ohne dabei selbst aufgefressen zu werden, verlangt einem viel ab - manche sagen sogar alles. Dass Rösler eine Schlafstätte direkt neben seinem Ministerbüro hoch oben im sechsten Stock des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) an der Berliner Friedrichstraße hat, ist nur ein Beleg dafür.

Ob der Minister dort so manche schlaflose Nacht verbringt und über sinkende Umfrage- und Sympathiewerte, streitlustige Koalitionskollegen aus Bayern, zornige Hausärzte, enttäuschte Pharmavertreter oder besorgte Krankenkassenvorstände grübelt, ist nicht verbrieft. Fakt ist: Kaum ein Politikfeld ist so komplex, so reformbedürftig und derart von Einzelinteressen geprägt wie der Gesundheitsbereich. Macht es ein Minister dem einen recht, schreit der andere auf: "Verrat!" Horst Seehofer und Ulla Schmidt mussten diese leidvolle Erfahrung machen. Philipp Rösler macht sie seit zehn Monaten.

Wer wissen möchte, wie es trotz solcher Unannehmlichkeiten ist, Gesundheitsminister der Bundesrepublik Deutschland zu sein, kann dies nun beim "Tag der offenen Tür" des Gesundheitsministeriums tun. Das Ministerium verspricht seinen Besuchern viel: Erfahren könne man etwa, wie das Haus arbeitet, welche Aufgaben- und Themenbereiche ihm zugeteilt und "wer die vielen Mitarbeiter hinter dem Bundesgesundheitsminister" sind. Persönliche Fragen an den Minister können vorab per Mail beim BMG eingereicht werden.

Ob sie beantwortet werden, ist nicht ausgemacht, da nur ausgewählte Fragen zugelassen sind. Abzuwarten bleibt also, ob kritische Einwürfe - etwa wegen steigender Kassenbeiträge oder zum Thema Hausarzthonorare - Chancen haben, von Rösler gehört zu werden.

Damit das alles nicht stocksteif abläuft, gibt es ein buntes Rahmenprogramm. Geboten werden Auftritten der Gruppe "Theatersport Berlin", der Musikband "The Dandys" oder der Initiative "no panic for organic". Für Kinder gibt es einen Kinderzirkus, und an der Charité können sie einen Rettungswagen von innen besichtigen oder im "Teddybär Krankenhaus" ihre Lieblinge verarzten.

Wäre es doch nur so spielerisch einfach, als Gesundheitsminister das deutsche Gesundheitswesen zu verarzten. Hätte dann nicht jeder Lust, täglich den roten Teppich ausgerollt zu bekommen?

Weitere Informationen: www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/TagderoffenenTuer/tag-der-offenen-tuer.html

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