Pflege

Rösler sucht nach Strategien gegen den Fachkräftemangel in der Pflege

Vom am Dienstag beginnenden "Pflegedialog" bei Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) erwarten sich Pflegeverbände "mehr als nur guten Kaffee". Am Montag haben sie vor dem Kanzleramt für spürbare Verbesserungen demonstriert.

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"Gelbe Karten" für Angela Merkel: Pflegekräfte protestieren vor dem Kanzleramt für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal.

"Gelbe Karten" für Angela Merkel: Pflegekräfte protestieren vor dem Kanzleramt für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal.

© hom

BERLIN (hom). Pfleger Michael arbeitet in der Krankenpflege, seit er denken kann. Mit widrigen Arbeitsbedingungen, schlechter Bezahlung und mangelnder gesellschaftlicher Wertschätzung habe sein Berufsstand schon immer zu kämpfen gehabt, sagt er.

"So schlimm wie jetzt war es aber noch nie", fasst der Pfleger die Situation der etwa 1,2 Millionen Pflegekräfte in Deutschland zusammen.

Am meisten zu schaffen macht der Branche der Mangel an Fachkräften. Die, die den Beruf ausüben, kriegen das als Erste zu spüren. Weil Kliniken, Heime und ambulante Dienste kein Fachpersonal finden, müssen die verbliebenen Pflegekräfte erheblich mehr für ihr karges Gehalt schuften.

"Wir werden körperlich und seelisch krank durch die Überlastung", sagt Gudrun Gille, Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK).

Besserung ist kaum in Sicht. Im Gegenteil: Getrieben durch den demografischen Wandel wird sich der Personalmangel in der Pflege noch verschärfen: Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamts werden im Jahr 2025 rund 152 000 Beschäftigte in den Pflegeberufen fehlen, um die zu erwartende Zahl an Klinikpatienten und Pflegebedürftigen noch einigermaßen versorgen zu können.

Die Bundesregierung scheint die Notrufe erhört zu haben - und verspricht Lösungen. Erste Ansätze will Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) an diesem Dienstag bei einem "Pflegedialog" mit Experten erarbeiten.

Ein Ansatz könne sein, so der Minister, die Arbeit von Pflegekräften besser zu bezahlen. Wer gute Mitarbeiter suche, so Rösler gegenüber dem "Tagesspiegel" aus Berlin, komme nicht sonderlich weit, wenn er nur den Mindestlohn zahle.

Branchenkenner zweifeln jedoch, dass es damit getan ist. Die Bezahlung von Pflege sei zwar ein wichtiger, aber nachrangiger Aspekt, heißt es. Entscheidender sei, dass der Beruf mehr gesellschaftliche Anerkennung erfahre.

Mit dem Stigma "Pflegen? Kann doch jeder!" würden junge Menschen jedenfalls nicht motiviert, eine dreijährige Pflegeausbildung zu absolvieren. Genau in diese Kategorie falle jedoch der Vorschlag von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Hartz-IV-Empfänger in die Pflege zu schicken. "So was wirkt kontraproduktiv", schimpft ein Berufsvertreter.

Vom heutigen "Pflegedialog" im Gesundheitsministerium erhoffe er sich "mehr als nur guten Kaffee". "Wir erwarten klare Signale, die 2011 verbindlich umgesetzt werden."

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