Schleswig-Holstein will Bedarfsplanung abschaffen

Gesundheitsminister Garg hält Honoraranreize für nötig, um Ärztemangel entgegenzuwirken. Detailplanung lehnt er ab.

Veröffentlicht:

KIEL (di). Die kleinräumige Bedarfsplanung wird oft als Instrument gegen Versorgungslücken genannt. Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg (FDP) hält dagegen - er fordert die Abschaffung der Bedarfsplanung.

"Wir können Ärzte nicht wie Figuren auf einem Schachbrett verschieben, sondern müssen ihnen die Entscheidung über den Standort selbst überlassen", sagte Garg im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Die von vielen Funktionären und Politikern als Ausweg gegen Versorgungslücken angestrebte kleinräumige Bedarfsplanung hält er für den falschen Weg. Statt die Standortbestimmungen stärker zu regulieren, hält Garg eine völlige Freigabe für diskussionswürdig.

"Ich will verhindern, dass wir alles bis ins kleinste Detail regeln", sagte Garg. Die Bedarfsplanung möchte er durch eine Bedarfssteuerung ersetzen, bei der Ärzte mit Honoraraufschlägen für die Tätigkeit in einem unterversorgten Gebiet belohnt werden.

Verbinden will er diese Steuerung mit einer Lockerung der Residenzpflicht, wie sie in seiner Partei schon im Positionspapier genannt wurde. Neben diesen Rahmenbedingungen hält Garg weitere Anstrengungen der Kommunen für unerlässlich, um die Infrastruktur auf dem Land zu verbessern und damit die Attraktivität zu erhöhen.

Im Gegensatz zu Garg sehen die meisten Gesundheitspolitiker und Funktionäre in Körperschaften eine kleinräumige Bedarfsplanung als wichtigen Baustein gegen den drohenden Ärztemangel auf dem Land an.

Schleswig-Holsteins KV-Chefin Dr. Ingeborg Kreuz etwa befürchtet, dass eine uneingeschränkte Niederlassungsfreiheit auch dazu führt, dass Krankenhäuser gerade in attraktiven Ballungszentren noch stärker in Konkurrenz zu den niedergelassenen Ärzten treten.

Dr. Andreas Rinck, stellvertretender Vorsitzender der Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein, plädiert dagegen schon seit längerem für eine Freigabe. Ärzte an einem Standort festzuhalten, hält er für unzumutbar und nicht mit der Freiberuflichkeit vereinbar.

Mehr zum Thema

Geplante Novelle

Infektionsschutz: Kakofonie der Änderungswünsche

Schlagworte
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Datenerfassung, Dokumentationen – und das gleich mehrfach: Zwei Drittel aller Befragten zeigten sich in der MB-Befragung „unzufrieden“ oder „eher unzufrieden“ mit der IT-Ausstattung an ihrem Arbeitsplatz.

© alphaspirit / stock.adobe.com

Update

Ergebnisse des MB-Monitors

Ein Viertel der Ärzte denkt über Berufswechsel nach

Macht Spaß, und tut nicht nur dem Körper gut: Ein Forscherteam bestätigt jetzt eine bei in der Freizeit aktiven Menschen niedrigere Rate von Demenz-Erkrankungen. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Ingram Publishing / Getty Images / Thinkstock

Weniger Demenz-Erkrankungen

Wie Freizeit zur Prävention werden kann