SPD-Fraktionsvize Lauterbach fordert:

Sektorengrenzen müssen fallen!

Mehr Medizinstudenten, bessere Finanzierung der Universitäten, Überbrückung der Sektorengrenzen: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach positioniert sich.

Veröffentlicht: 26.04.2018, 07:31 Uhr

MANNHEIM. Wirklich schlecht ist es um das deutsche Gesundheitswesen in den Augen von Professor Karl Lauterbach zwar nicht bestellt – dennoch hat der Gesundheitsexperte der SPD Verbesserungsvorschläge.

Deutschland leiste sich viele Innovationen, liege bei den Gesundheitsausgaben dauerhaft im oberen Drittel der OECD-Staaten und gewährleiste mit rund 2000 Krankenhäusern und einer hohen Facharztdichte eine Versorgung auf hohem Niveau, betonte er auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim.

In seinem Vortrag "Wie viel Innovation kann sich Deutschland leisten?" bezeichnete der Fraktionsvize der SPD im Bundestag die Sektorengrenze als schweres Innovationshindernis. Die Lösung sei eine dauerhafte Überbrückung der Sektorengrenze, mit einem eigenen Budget für die Versorgung im Grenzbereich und einer modernen Honorarordnung.

Das Projekt werde mit einer Bund-Länder-Kommission in Kürze angegangen. Das gibt der Koalitionsvertrag von Union und SPD so vor.

Ferner bedürfe es mehr Medizinstudienplätze, solle der bestehende Standard erhalten werden. "Wir bilden pro Jahr 5000 Medizinstudenten weniger aus, als wir müssten", sagte Lauterbach. Ärzte aus Osteuropa und Afrika zu holen, sei der falsche Weg, da diese Fachkräfte in deren Heimat fehlten und sie sich mit den hiesigen Technologien schwertäten.

Zudem seien die Unikliniken unterfinanziert, weil die Forschungsbudgets nicht projekt-, sondern einrichtungsgebunden verteilt werden und überproportional an Großforschungseinrichtungen gingen.

In den Krankenhäusern dürfe nicht länger an der Pflege gespart werden, meinte er. Die Pflegekosten müssten komplett aus den Fallpauschalen (DRG) herausgenommen werden und eine Bezahlung der nachgewiesenen Leistungen nach dem Selbstkostenprinzip erfolgen. Auch hier verlangt der Koalitionsvertrag zumindest die Splittung in Fallpauschalen und eine Personalkostenvergütung.

Außerdem forderte Lauterbach, Werbung für Tabak zu verbieten, denn viele Tumore und Herzkreislauferkrankungen würden durch Rauchen verursacht. Es sei eine unhaltbare Situation, dass Deutschland eines der wenigen Länder in Europa sei, das Tabakwerbung zulasse.

Für einen gesünderen Lebensstil der Menschen und den damit einhergehenden Einsparungen im Gesundheitswesen hält er eine Abgabe für stark zuckerhaltige Getränke für wichtig. Die Erlöse könnten aus Sicht von Lauterbach genutzt werden, um gesunde Lebensmittel für Bezieher von Arbeitslosengeld II zu bezuschussen. (DE)

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