Direkt zum Inhaltsbereich

SPD-Fraktionsvize Lauterbach fordert:

Sektorengrenzen müssen fallen!

Mehr Medizinstudenten, bessere Finanzierung der Universitäten, Überbrückung der Sektorengrenzen: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach positioniert sich.

Veröffentlicht:

MANNHEIM. Wirklich schlecht ist es um das deutsche Gesundheitswesen in den Augen von Professor Karl Lauterbach zwar nicht bestellt – dennoch hat der Gesundheitsexperte der SPD Verbesserungsvorschläge.

Deutschland leiste sich viele Innovationen, liege bei den Gesundheitsausgaben dauerhaft im oberen Drittel der OECD-Staaten und gewährleiste mit rund 2000 Krankenhäusern und einer hohen Facharztdichte eine Versorgung auf hohem Niveau, betonte er auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim.

In seinem Vortrag "Wie viel Innovation kann sich Deutschland leisten?" bezeichnete der Fraktionsvize der SPD im Bundestag die Sektorengrenze als schweres Innovationshindernis. Die Lösung sei eine dauerhafte Überbrückung der Sektorengrenze, mit einem eigenen Budget für die Versorgung im Grenzbereich und einer modernen Honorarordnung.

Das Projekt werde mit einer Bund-Länder-Kommission in Kürze angegangen. Das gibt der Koalitionsvertrag von Union und SPD so vor.

Ferner bedürfe es mehr Medizinstudienplätze, solle der bestehende Standard erhalten werden. "Wir bilden pro Jahr 5000 Medizinstudenten weniger aus, als wir müssten", sagte Lauterbach. Ärzte aus Osteuropa und Afrika zu holen, sei der falsche Weg, da diese Fachkräfte in deren Heimat fehlten und sie sich mit den hiesigen Technologien schwertäten.

Zudem seien die Unikliniken unterfinanziert, weil die Forschungsbudgets nicht projekt-, sondern einrichtungsgebunden verteilt werden und überproportional an Großforschungseinrichtungen gingen.

In den Krankenhäusern dürfe nicht länger an der Pflege gespart werden, meinte er. Die Pflegekosten müssten komplett aus den Fallpauschalen (DRG) herausgenommen werden und eine Bezahlung der nachgewiesenen Leistungen nach dem Selbstkostenprinzip erfolgen. Auch hier verlangt der Koalitionsvertrag zumindest die Splittung in Fallpauschalen und eine Personalkostenvergütung.

Außerdem forderte Lauterbach, Werbung für Tabak zu verbieten, denn viele Tumore und Herzkreislauferkrankungen würden durch Rauchen verursacht. Es sei eine unhaltbare Situation, dass Deutschland eines der wenigen Länder in Europa sei, das Tabakwerbung zulasse.

Für einen gesünderen Lebensstil der Menschen und den damit einhergehenden Einsparungen im Gesundheitswesen hält er eine Abgabe für stark zuckerhaltige Getränke für wichtig. Die Erlöse könnten aus Sicht von Lauterbach genutzt werden, um gesunde Lebensmittel für Bezieher von Arbeitslosengeld II zu bezuschussen. (DE)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Gesundheitsreform

Eilanträge gegen GKV-Spargesetz: Karlsruhe senkt den Daumen

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Betäubungsmittel richtig verordnen

Opioide in der Urlaubsvertretung: Wie sich Missbrauch vorbeugen lässt

Robert Koch-Institut

STIKO lockert Impfempfehlungen gegen COVID-19

Lesetipps
PMOS als Buchstaben

© Someone Cooked Here / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neue Terminologie

Warum PCOS zu PMOS wurde und was das mit Diabetes zu tun hat

Schlange wartender Patienten am Praxisempfang

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Einschätzung von Kollegen

Wenn die Telefon-AU wegfällt: Was das für den Praxisalltag bedeutet

Tablets to maintain the correct functioning of the human cardiovascular system on a blue background close-up

© bisonov / stock.adobe.com

Kombi schlägt Monotherapie

Diese Blutdrucksenker werden am besten vertragen