IGES-Gutachten

Selbständige sollten GKV-Mitglieder werden müssen

Vor dem Hintergrund steigender Beitragsschulden stellt die Bertelsmann-Stiftung eine brisante Studie vor. Die bietet Feuer für die Idee der Bürgerversicherung.

Veröffentlicht: 07.07.2016, 11:23 Uhr

GÜTERSLOH. Die Bertelsmann-Stiftung hat sich dafür ausgesprochen, die Krankenversicherungspflicht auf hauptberuflich Selbstständige auszuweiten. Zugleich sollte der bisher geltende Mindestbetrag für Selbstständige in Höhe von 342 Euro pro Monat gesenkt oder abgeschafft werden, argumentiert die Stiftung unter Verweis auf ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten des IGES-Instituts.

Freiwillig versicherte Selbstständige geraten oft in Schulden

Hintergrund der Studie sind neue Zahlen des GKV-Spitzenverbands zu Beitragsschulden: Die Rückstände insbesondere der freiwillig Versicherten addieren sich auf 4,48 Milliarden Euro - 2011 waren es noch etwa eine Milliarde Euro.

Der IGES-Autoren zu Folge zahlen Selbstständige aus dem untersten Einkommensfünftel fast 53 Prozent ihres Einkommens für ihre PKV-Police, bei GKV-versicherten Selbstständigen sind es 44 Prozent.

Im GKV-System wird bisher fiktiv angenommen, dass das monatliche Einkommen Selbstständiger nicht unter 2179 Euro liegt - woraus sich der Mindestbetrag von 342 Euro ergibt.

Zwei Szenarien: Erhebliche Mehreinnahmen aber auch geringe Mehrausgaben möglich

Bisher sind bereits 57 Prozent der Selbstständigen gesetzlich versichert. IGES geht in einem Szenario davon aus, dass im Falle der Ausweitung der Krankenversicherungspflicht es zu rund 1,04 Millionen Neuaufnahmen in der GKV käme: 72 Prozent der privat versicherten Selbstständigen würden in die GKV wechseln, so die Simulation.

Dabei gehen die Gutachter von Mehreinnahmen für die GKV in Höhe von 5,4 Milliarden Euro pro Jahr aus. Dem stünden Mehrausgaben von 3,6 Milliarden Euro gegenüber, so dass sich Nettozusatzeinnahmen von rund 1,83 Milliarden Euro ergäben.

Würde hingegen der Mindestbeitrag auf 70 Euro gesenkt - das entspräche der Geringfügigkeitsschwelle von 450 Euro -, entstünden der GKV Mindereinnahmen von 218 Millionen Euro. Dieser Effekt würde Selbstständige um 381 Millionen Euro entlasten, was auch einem Teil der bisher GKV-Versicherten zu Gute käme. (fst)

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