Berufspolitik

Selbstverwaltung soll sich an eigene Nase fassen

Schleswig-Holsteins Kammerpräsident sieht beim Ärztemangel vor allem die Selbstverwaltung in der Pflicht.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 30.11.2011, 07:47 Uhr
Selbstverwaltung soll sich an eigene Nase fassen

Immer mehr Ärzte - das ist keine Lösung: Franz-Joseph Bartmann.

© ÄKSH

BAD SEGEBERG. Immer mehr Ärzte - das ist keine Lösung für die steigende Nachfrage nach medizinischen Leistungen. Die Selbstverwaltung muss mit neuen Organisationsformen reagieren.

Dies forderte Schleswig-Holsteins Kammerpräsident Dr. Franz-Joseph Bartmann bei der jüngsten Kammerversammlung, in der er sich mit der Forderung nach mehr Ärzten auseinander setzte.

"Wer das als Konsequenz fordert, sollte sich auch und rechtzeitig überlegen, dass das Budget nicht entsprechend der gewünschten zusätzlichen Arztzahl steigen wird. Das bedeutet implizit: reduzierte Belastung auf der einen führt zwangsläufig zu einer reduzierten Bezahlung und Gewinnerwartung auf der anderen Seite", sagte Bartmann.

Telemedizin und virtuelle Zentren

Ohnehin hält Bartmann die häufigen Verweise auf angeblich zu wenige Ärzte für nicht hilfreich. Er erinnerte an die im europäischen Vergleich hohe Arztdichte in Deutschland.

Für Ideen und Antworten auf die steigende Nachfrage nach medizinischen Leistungen sind nach seiner Ansicht in erster Linie die ärztlichen Organisationen gefordert: "Wenn wir nicht bessere Lösungen anbieten als die Politik, haben wir unseren Auftrag als Selbstverwaltung verfehlt."

Bartmann ist sich bewusst, dass dieser Weg für Ärzte unbequem werden kann und erwartet von ärztlichen Organisationen, dass sie Ängste und Widerstände unter den Kollegen abbauen.

Konkret schlägt er vor, dass die ärztliche Arbeitskraft durch arbeitsteiligere Kooperationsformen rationeller eingesetzt wird.

Dies könne auch in virtuellen Zentren durch den verstärkten Einsatz von Telemedizin geschehen, sagte Bartmann auf Nachfrage der "Ärzte Zeitung".

Praxis-Aufkauf ein probates Mittel

Verständnis zeigte der Kammerpräsident aus dem Norden für die Ärztegeneration, die ihre Praxen in den kommenden Jahren abgeben will und dabei auf immer geringeres Interesse stößt - dies ist unter Praxisinhabern in Schleswig-Holstein derzeit eines der am meisten diskutierten Probleme.

Eine der wichtigsten Fragen in dieser Diskussion ist für Bartmann die nach der Entschädigung für einen Arzt, der viel Geld in eine heute nicht mehr veräußerbare Praxis investiert hat.

Bartmann: "Es ist schließlich nicht seine Schuld und war für ihn nicht vorhersehbar, dass gesellschaftliche Entwicklungen seine vor Jahrzehnten gehegten Erwartungen in einen Teil seiner Altersvorsorge nicht mehr rechtfertigen würden."

Bartmann sieht auch in dieser Frage die ärztliche Selbstverwaltung gefordert. Durch den Aufkauf von Praxen könnten KVen die Versorgung gezielt in Zentren lenken, die die Arbeitsabläufe effektiver gestalten.

Eine "Enteignung", wie derzeit vom BDI kritisiert, sieht er darin nicht, weil abgebende Ärzte auf diese Weise noch einen Kaufpreis erzielen könnten. Und es ist für ihn die bessere Alternative als die pure Aufgabe einer Praxis, die zugleich der Nachbarpraxis einen nicht mehr zu bewältigenden Patientenandrang bescheren würde.

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