Direkt zum Inhaltsbereich

Berufsrecht

Sitzt die EU bald mit am Tisch?

Die EU-Kommission kann künftig bei ärztlichem Berufsrecht mitreden. Die KBV hält das für fatal.

Veröffentlicht:

BRÜSSEL/BERLIN. Beim Zugang zum Arztberuf und bei der ärztlichen Berufsausübung hat künftig nicht mehr Deutschland allein das Sagen. Hintergrund ist die Umsetzung der EUDienstleistungsrichtlinie. Der Binnenmarktausschuss hat am Montag grünes Licht für die weitere Beratung im EU-Parlament gegeben. Die KBV hatte im Vorfeld mit der Bundesärztekammer und anderen Verbänden auf eine klare Ausnahmeregelung für Heilberufe gedrängt. Ausdrücklich forderte dies auch der Gesundheitsausschuss im EU-Parlament. Die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten bei der Regelung der Gesundheitsberufe müsse "uneingeschränkt geachtet werden", heißt es.

Doch der federführende Binnenmarktausschuss schloss sich dem nicht an. "Aus unserer Sicht engt die Richtlinie den Bewertungsspielraum für Mitgliedstaaten bei Erlass und Änderungen von Berufsregeln unrechtmäßig ein", sagte KBV-Sprecher Roland Stahl auf Anfrage der "Ärzte Zeitung". Mit der sich jetzt abzeichnenden Regelung "unterliegen künftig alle ärztlichen Berufsausübungs- und Berufszugangsregelungen einer Verhältnismäßigkeitsprüfung nach einem von der EU vorgelegten Kriterienkatalog", erläuterte Stahl.

Denn die EU schreibt nach jetzigem Stand künftig eine "Verhältnismäßigkeitsprüfung" vor, bevor Mitgliedstaaten eigene Regeln beispielsweise für Heilberufe erlassen können. Der CDU-Europaabgeordnete Andreas Schwab, Berichterstatter im Binnenmarktausschuss, hält den Kompromiss für gelungen. Mit ihm werde der Gesundheitssektor geschützt, ohne dem Binnenmarkt zu schaden. Mit Blick auf die Heilberufe heißt es in dem mit 33 zu drei Stimmen angenommenen Papier, die EU-Staaten hätten bei Gesundheitsdienstleistungen "einen ausreichenden Ermessensspielraum, um eine hochwertige Gesundheitsversorgung zu sichern". Die KBV indes moniert, es sei unklar, ob die EU-Kommission nationale Vereinbarungen, die etwa mit den Kostenträgern vereinbart wurden, als verhältnismäßig anerkennt.

Die erste Lesung der Richtlinie im Plenum des EU-Parlaments ist für den 18. Januar 2018 angesetzt.(fst)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Arbeiten in der Alpenrepublik

Alternative Schweiz? Die Chancen für deutsche Ärzte stehen gut

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Ein Medikament unter vielen, das wenigen hilft? 2400 Wirkstoff-Kandidaten in der EU haben den Orphan-Drug-Status.

© artisteer / Getty Images / iStock

Wirkstoff-Kandidaten mit Orphan-Drug-Status

Orphan Drugs – Risiken für ein Modell

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Ein junges Mädchen wird geimpft – gegen HPV? (Symbolbild mit Fotomodellen)

© milanmarkovic78 / stock.adobe.com

Vision Zero Onkologie

Die Elimination des Zervixkarzinoms

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Spitzensport schützt – und hinterlässt Spuren

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Lesetipps
Einzelne Bilder von Lebensmitteln die reich an Histamin sind.

© PhotoSG / stock.adobe.com

Mythos mit Nebenwirkungen

Verdacht auf Histaminintoleranz: Wie Sie jetzt vorgehen

Schatten eines übergewichtigen Menschen an einer Wand.

© Luluraschi / stock.adobe.com

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Adipositas: Wechselspiel zwischen Genetik, Hirn und Mikrobiom