Deutscher Pflegetag

Spahn fordert mehr Pragmatismus

Bis zum Juni wollen die Ministerien für Gesundheit, Arbeit und Familie Ergebnisse zur Konzertierten Aktion Pflege vorlegen. Auf dem Deutschen Pflegetag mahnte Minister Spahn zu Pragmatismus und Optimismus.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 14.03.2019, 16:16 Uhr

BERLIN. „Die Pflege wird das große Thema der nächsten Jahre bleiben“, kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag bei der Eröffnung des Deutschen Pflegetages in Berlin an.

Im Juni will Spahn mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) die Ergebnisse der Konzertierten Aktion Pflege vorlegen.

Es werde danach „Schritt für Schritt weitergehen, wobei an vielen Schrauben gedreht werden muss“, so Spahn. Ein Beispiel dafür werden Mindestpersonalbesetzungen sein, wobei es auch auf einen richtigen und realisierbaren Personalmix aus Fach- und Hilfskräften ankomme.

Warnung vor Negativbotschaften

Eindringlich mahnte der Gesundheitsminister die mehr als 2000 anwesenden Pflegekräfte zur Mitarbeit und zu einer positiven Darstellung des Berufs in der Öffentlichkeit. „Wie sollen wir junge Menschen in Kampagnen für den Pflegeberuf begeistern, wenn aus der Pflege selbst nur Negativbotschaften kommen?“, kritisierte Spahn.

Mit der Reform der Pflegeausbildung, insbesondere mit der Abschaffung des Schulgeldes und der Einführung einer Ausbildungsvergütung, seien konkrete Verbesserungen für den Einstieg in den Pflegeberuf erreicht worden, sagte Franziska Giffey. Sie warnte davor, im Wesentlichen auf eine Akademisierung des Pflegeberufs zu setzen. Die Pflege sei derart vielfältig, dass die unterschiedlichsten Qualifikationen benötigt würden. Das erfordere eine starke Offenheit für den Zugang zum Beruf.

Staatssekretär Björn Böhning vom Bundesarbeitsministerium kündigte eine Einschränkung für den Abschluss befristeter Arbeitsverträge an.

Die gegenwärtige Entlohnung für eine Fachkraft von durchschnittlich 2880 Euro im Westen – in den neuen Bundesländern liegt das Monatsgehalt mehr als 600 Euro darunter – bewertet Böhning als „nicht akzeptabel“.

Im Rahmen der Konzertierten Aktion werde mit Arbeitgebern und Gewerkschaften nach Wegen zu einer besseren und auch verbindlichen Entlohnung – gegebenenfalls mit gesetzlicher Nachhilfe – gesucht.

Stimmung hat sich verschlechtert

Wie schlecht die Stimmung in der Pflege ist, zeigt der am Donnerstag beim Pflegetag vorgestellte PSYMA-Care-Klimaindex.

Ausgehend vom Basisjahr 2017 (gleich 100) hat sich die Stimmung in der Pflege um 4,5 Punkte verschlechtert, im Westen stärker als im Osten. Nach wie vor glauben 87 Prozent (Vorjahr 91 Prozent), dass die Pflege in der Politik keinen ausreichenden Stellenwert hat.

Die tatsächlichen Anstrengungen der Koalition in Sachen Pflege hatten zum Zeitpunkt der Umfrage (Herbst 2018) kaum einen Einfluss auf das Stimmungsbild.

Weitere Negativwerte: Der Anteil der Pflegekräfte, die die Pflegequalität für schlecht hält, ist von 24 auf 27 Prozent gestiegen. Die Arbeitsbedingungen bewerten 60 Prozent als schlecht (Vorjahr: 51 Prozent).

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