Medienbericht

Staatsdarlehen für Familienpflege kaum nachgefragt

Pflegenden Angehörigen bietet der Staat ein zinsloses Darlehen. Doch es sind einem Medienbericht zufolge nur wenige, die sich dafür interessieren.

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Für pflegende Angehörige gibt es staatliche Finanzhilfen.

Für pflegende Angehörige gibt es staatliche Finanzhilfen.

© AvailableLight / Getty Images / iStock

BERLIN. Das staatliche Angebot eines zinslosen Darlehens für pflegende Angehörige wird nach einem Medienbericht weiterhin kaum nachgefragt. Es soll einen Ausgleich für den pflegebedingten Verdienstausfall schaffen.

Im vergangenen Jahr wurden bundesweit aber nur 181 neue Darlehen bewilligt, wie die "Rheinische Post" (Mittwoch) berichtet. Hinzu kommen 311 laufende Verträge, die seit Einführung des Pflege-Darlehens 2015 geschlossen wurden.

Die Ausgaben des Bundes für die Darlehen betrugen 2017 nur 756.000 Euro - im Haushalt veranschlagt waren 8,1 Millionen. Die Zeitung beruft sich auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion.

Die Haushaltsexpertin der Grünen, Ekin Deligöz, sagte der Zeitung: "Man wollte gezielt Pflegenden helfen, hat sich aber für eine Spar-Variante entschieden, die gefloppt ist." Sie forderte eine dreimonatige Pflegzeit mit Lohnersatz.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hatte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur die Regelung bereits im Januar für gescheitert erklärt. Damals hatte es unter Berufung auf die bis dahin aktuellsten Zahlen von 2015 geheißen, dass 360.000 pflegende Angehörige berufstätig seien. (dpa)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Thomas Georg Schätzler

Danke, dass die Ärzte-Zeitung diesen Skandal veröffentlicht...

Die gute alte "Tante" dpa hat mal wieder das Wichtigste weggelassen:
Bis ein Antrag auf Gewährung eines zinslosen Darlehens für pflegende Angehörige vollständig ausgefüllt ist, sind vermutlich einige schwer erkrankte Familienangehörige bereits verstorben.

Wenn Sie mir nicht glauben wollen? Hier der Beleg in Form von überbürokratisierten Antrags- und Belegvorschriften:

"Musterformulare Ankündigungsschreiben und Checkliste
Checkliste für Ankündigungen von Freistellungen nach dem Pflegezeit- und Familienpflegezeitgesetzz
Checkliste Freistellungen nach dem Pflege- und Familienpflegezeitgesetz

Musterformulare für Ankündigungsschreiben
Musterformular Ankündigung von Familienpflegezeit

Musterformular Ankündigung von Pflegezeit

Musterformular Ankündigung der Begleitung in der letzten Lebensphase

Musterformular Ankündigung der Freistellung bei minderjährigen Pflegebedürftigen_Familienpflegezeit

Musterformular Ankündigung der Freistellung bei minderjährigen Pflegebedürftigen_Pflegezeit

Musterformulare für ärztliche Bescheinigungen
Ärztliche Bescheinigung für die Begleitung in der letzten Lebensphase

Ärztliche Bescheinigung für die kurzzeitige Arbeitsverhinderung

Formulare und Merkblätter
Darlehen
Informationsblatt zum zinslosen Darlehen

Antrag auf Bewilligung eines zinslosen Darlehens

Entgeltbescheinigung

Antrag auf Stundung der Darlehensrückzahlung

Antrag auf Teildarlehenserlass

Antrag auf Feststellung des Erlöschens der Darlehensschuld

Pflegeunterstützungsgeld
Entgeltbescheinigung zur Berechnung von Pflegeunterstützungsgeld bei kurzzeitiger Arbeitsverhinderung" (Zitat Ende)

http://www.wege-zur-pflege.de/familienpflegezeit/service.html

Eine zusätzliche, ausführlich selbstbeweihräuchernde Publikationsliste erspare ich der ÄZ-Redaktion bzw. den Leserinnen und Lesern.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Mauterndorf/A)


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