Neue Arzneien

TK sieht bei Innovationen rot

Der "Innovationsreport" der Techniker Kasse setzt auf ein Ampelsystem. Bei den 2014 zugelassenen Medikamenten vergeben die TK-Bewerter nur die Warnfarben gelb oder rot. Die Hersteller rügen die Methodik harsch.

Florian StaeckVon Florian Staeck Veröffentlicht:
Rot, gelb, grün: Der Innovationsreport setzt auf eine Ampel.

Rot, gelb, grün: Der Innovationsreport setzt auf eine Ampel.

© kebox / stock.adobe.com

BERLIN. Die Techniker Kasse (TK) zieht in ihrem "Innovationsreport 2017" eine durchweg kritische Bilanz der Arzneimittel, die im Jahr 2014 erstmals in den Markt gekommen sind. Auf Basis von Routinedaten der TK wurden 32 Wirkstoffe bewertet, darunter zwölf zur Behandlung von Patienten mit seltenen Erkrankungen sowie vier Onkologika. Mit dem Innovationsreport beobachte die Kasse, "wie sich die neuen Präparate im Versorgungsalltag bewähren, wie sie eingesetzt werden und wie sich ihre Stellung im Markt entwickelt", sagte TK-Vorstandschef Dr. Jens Baas bei der Report-Vorstellung am Mittwoch.

Der von den Professoren Gerd Glaeske und Wolf-Dieter Ludwig herausgegebene Bericht verwendet ein Ampelschema mit drei Kriterien: verfügbare alternative Therapien, der Zusatznutzen und die (Vergleichs-) Kosten des Präparats. Zum ersten Mal erhält bei dem seit fünf Jahren erscheinenden Report kein Medikament im Gesamtscore eine grüne Ampel. 17 Präparate wurden mit gelb bewertet, 15 Mal vergaben die Wissenschaftler im Gesamturteil die Ampelfarbe rot.

"Die Bewertung ist dabei häufig auf die hohen Kosten der neuen Therapien zurückzuführen", sagte Baas. Allerdings erhielten 15 Medikamente auch beim Kriterium des (fehlenden) Zusatznutzens eine rote Ampel. Keines der neuen Medikamente verdiente nach Ansicht der TK-Bewerter hier die grüne Ampelfarbe. Zu den bewerteten Präparaten gehörten auch fünf antivirale Mittel zur systemischen Anwendung bei Hepatitis C.

Der Bericht stieß wie schon in den Vorjahren auf harsche Kritik der Arzneimittelhersteller. Kassen versuchten "mit allen Mitteln Innovationen kleinzureden", sagte Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa). Beim TK-Report falle unter den Tisch, dass im Laufe der Jahre durch viele neue Medikamente "großer medizinischer Fortschritt" entstehe. Deshalb stiegen auch die Überlebensraten bei vielen Krebsarten. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) monierte, die "undifferenzierte Studienmethodik" bewerte neue Präparate nicht wie im AMNOG nach Patientengruppen.

Indes forderte Glaeske, besondere Aufmerksamkeit sei bei den mittlerweile 36 im beschleunigten Verfahren zugelassenen Medikamenten angezeigt. Das Risiko für unerwünschte Ereignisse sei hier deutlich höher als bei herkömmlich zugelassenen Medikamenten. "Bei schwacher Vormarktevidenz muss die Nachmarktevidenz gestärkt werden", forderte Glaeske. Rund drei Jahre nach der Zulassung sollte es zu einer erneuten Bewertung auf Basis des dann aktuellen Kenntnisstandes kommen. Er erinnerte daran, dass für sechs der 32 Wirkstoffe in den ersten beiden Jahren nach Zulassung ein Rote-Hand-Brief verschickt worden sei.

Dies unterstützte Ludwig und verwies darauf, dass 38 Prozent der bewerteten Medikamente Orphan Drugs gewesen seien. Deren Zulassungsstudien basierten oft auf 100 bis 200 untersuchten Patienten. "Damit kann man noch nicht einmal gelegentlich auftretende Nebenwirkungen entdecken", so Ludwig.

TK-Chef Baas nutzte die Vorstellung des Reports, um neue Preisbremsen zu fordern. Die neue Bundesregierung sollte gleich zu Beginn der neuen Legislatur "Nägel mit Köpfen" machen, so Baas. Er schlug eine Anhebung des Herstellerabschlags von sieben auf zehn Prozent vor. Baas verwies darauf, dass der durchschnittliche Preis der bewerteten Medikamente im Vergleich zum letzten Bericht um 73 Prozent gestiegen sei, und zwar von 1418 auf 2458 Euro.

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