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Hausarztzentrierte Versorgung

Techniker Krankenkasse kündigt 14 HzV-Vereinbarungen – Hausärzteverband sieht „Kampagne“

Eiszeit im Sommer: Die Techniker Krankenkasse will in 14 Regionen Hausarztverträge neu verhandeln. Der Hausärzteverband sieht darin eine Verunsicherung von Praxen. Betroffene HzV-Verträge gelten auf unbestimmte Frist weiter.

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Vertragspartnerschaft sieht anders aus: Hausärzteverband und Techniker Kasse streiten über die Zukunft der HzV.

Vertragspartnerschaft sieht anders aus: Hausärzteverband und Techniker Kasse streiten über die Zukunft der HzV.

© Fotolia/Kelly Marken

Berlin/Hamburg. Die mit 12,4 Millionen Versicherten größte Krankenkasse geht auf Konfrontationskurs mit dem Hausärztinnen- und Hausärzteverband: Die Techniker Krankenkasse hat am Montag bekanntgegeben, 14 regionale Hausarztverträge kündigen zu wollen. Nur die Verträge in Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind davon nicht betroffen.

Die Kasse zieht damit die Konsequenzen aus der von ihr veranlassten Evaluation der 14 regionalen HzV-Verträge. Nach der von Professor Jonas Schreyögg, Direktor des Hamburg Center for Health Economics (HCHE), geleiteten Untersuchung, verbessert die HzV in diesen Regionen nicht die Versorgungssteuerung, sondern produziert für die TK Mehrkosten in Höhe von jährlich 160 Millionen Euro. Den Honoraraufschlag in der HzV im Vergleich zur Regelversorgung beziffert die Kasse auf rund 30 Prozent.

Die Co-Bundesvorsitzende Professorin Nicola Buhlinger-Göpfarth sieht in der Ankündigung hingegen einen „Teil der seit Monaten andauernden Kampagne der TK gegen die Hausärzteschaft und die HzV“. Das Studiendesign der Evaluation weise „offensichtliche Mängel auf“. Andere, auch internationale Studien kämen zu „komplett anderen Ergebnissen“.

Bei der hausarztzentrierten Versorgung gehe es für den Hausärzteverband „primär um Beziehungsmedizin“. Der TK schwebe stattdessen eine „Digitaldystopie“ vor, in der diese Medizin ersetzt wird „durch eine digitale Hotline, die die Menschen anonym von einem zum nächsten Arzt lotst“, lautete bereits Ende Mai der Vorwurf.

Die TK hingegen bemühte sich am Montag um Deeskalation. Für die Kasse stehe außer Frage, das Hausärztinnen und Hausärzte die Qualität der Versorgung verbessern könnten. Nur trage die HzV in ihre aktuellen Form nicht dazu bei, die „Qualität und Effizienz im Gesundheitssystem zu stärken“. Auch für das von der Bundesregierung geplante Primärversorgungssystem sei ein „breiteres und flexibleres Modell für alle Versicherten“ geboten.

Neue Verträge bis Ende des Jahres

Auf welche Instrumente die Kasse im Rahmen künftiger HzV-Verträge insbesondere setzen möchte, wollte eine TK-Sprecherin auf Anfrage nicht mitteilen. Zu Einzelheiten der Verhandlungen wolle man sich nicht öffentlich äußern, da es sich um „Vertragsgeschäft“ handele. Besondere Versorgungsprogramme wie die HzV müssten allerdings „nachweisbare Versorgungswirkungen erzielen“, so die Sprecherin.

Bis Ende dieses Jahres will die TK nach eigenen Angaben neue Verträge schließen und bietet den regionalen Hausarztverbänden dafür „vertragspartnerschaftliche Verhandlungen“ an. Indes zeichnet sich eine gedeihliche Gesprächsatmosphäre dafür bisher nicht ab: Man müsse TK-Versicherten klar sagen, dass sie Beiträge an eine Krankenkasse zahlen, „die offen dafür lobbyiert, den Zugang zur hausärztlichen Versorgung in der bisherigen Form abzuschaffen“, erklärte der Verband.

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Nach der geltenden Rechtslage haben die HzV-Verträge unbefristet so lange Bestand, bis eine neue Vereinbarung zwischen den Vertragspartnern geschlossen wurde. An den von der TK gekündigten Verträgen nehmen etwa eine Million Versicherte und 10.000 Hausärztinnen und Hausärzte teil. Für sie ändert sich durch die Kündigung nichts. Die gesetzlichen Regelungen schützten den Fortbestand der HzV, stellte der Hausärzteverband klar. „Wir blicken den weiteren Entwicklungen daher gelassen entgegen“, so der Vorstand.

Indes könnte dieser Disput auch auf das Konto derer einzahlen, die anlässlich der Einführung eines Primärversorgungssystems die Pflicht für Kassen, HzV-Verträge anzubieten, generell zur Disposition stellen möchten. Das dürfte der Hausärzteverband dann gar nicht mehr gelassen nehmen. (fst)

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