Direkt zum Inhaltsbereich

Will Deutschland im Wettbewerb im Pharmamarkt mithalten, müssen die Weichen heute neu gestellt werden, fordern Wissenschaftler

BERLIN (ble). Einer Studie des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts (HWWI) zufolge hat der Pharmastandort Deutschland gute Chancen, verloren gegangenes Vertrauen zurückzuerobern.

Voraussetzung sind allerdings verstärkte Ausgaben in die Forschung und der Verzicht auf hektische Arzneimittelsparpakete, so HWWI-Experte Thomas Straubhaar.

Viele Faktoren - gut ausgebildete Fachkräfte, ein freier Marktzugang für innovative Produkte und eine exzellente klinische Forschungslandschaft - stünden für die Stärken des Standorts, sagte Straubhaar unter Verweis auf ein aktuelles HWWI-Gutachten. Platz zwei weltweit in der Biotechnik, europaweit führend bei klinischen Studien - das Zeugnis liest sich auf den ersten Blick gut. Vom Tiefpunkt Mitte der neunziger Jahre habe sich Deutschland wieder erholt.

Doch bei seinem Vortrag zeichnet Straubhaar auch ein zwiespältiges Bild: Denn für viele ausländische Pharmamanager fehlt es Deutschland laut HWWI-Gutachten weiter an Standortvorteilen, die hohe Investments rechtfertigen würden.

Bemängelt werden die hohe Regelungsdichte, komplizierte Genehmigungsverfahren, fehlendes Wagniskapital - und eben kurzfristige, auf Ausgabensteuerung ausgerichtete Interventionen des Staates. Als Beispiel für die verheerende Wirkung einer solchen Politik zitieren die HWWI-Experten die Einschätzung eines ausländischen Pharmaunternehmers: Die im Zuge des GKV-Modernisierungsgesetzes eingeführte Jumbogruppen-Regelung habe eine viel größere Bedeutung gehabt, "als sich die Politiker vorstellen können. Sie hat das Bild eines innovationsfeindlichen Klimas in Deutschland in den Köpfen festgenagelt". Bei einer Jumbogruppe handelt es sich um eine Festbetragsgruppe, in der patentfreie und patentgeschützte Substanzen zusammengefasst werden. Aktuell bereitet den Topentscheidern die Diskussion um das IQWiG Kopfzerbrechen, obwohl die KostenNutzen-Analyse an sich laut Straubhaar nicht das Problem darstellt.

Aus der Ferne betrachtet wiegen diese Risiken offenbar schwerer: So bewerteten ausländische Manager den Forschungs- und Produktionsstandort deutlich negativer als inländische. Was Straubhaar erstaunt: Für Standortentscheidungen ausländischer Unternehmen sind die Produktions- und Absatzmöglichkeiten trotz der Möglichkeiten globalisierter Märkte offensichtlich ebenso wichtig, wie das Umfeld für Forschung und Entwicklung.

Um dem Standort wieder zu mehr Strahlkraft zu verhelfen, schlägt das HWWI unter anderem mehr staatliche Forschungsförderung und eine Festigung der Exzellenzinitiative vor.

Zur Serie »

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Holzklötze mit Symbolen für verschiedene Versicherungsarten, dahinter eine Person im weißen Hemd.

© REDPIXEL / stock.adobe.com

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

Lesetipps
Hände hallten Tablette in linker Hand und Glas Wasser in rechter Hand

© IQ-Photography / Generated with AI / Stock.adobe.com

Medikamentöse Adipositastherapie

Faktenckeck orales Semaglutid: Was es kann und wo der Haken ist