Kommentar zum Jahresbericht des Bundesversicherungsamtes

Tricksen im Maschinenraum

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht:

Der Maschinenraum der Gesetzlichen Krankenversicherung, das ist der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA). Er ist komplex und auch für Fachleute schwer durchschaubar.

Zugleich ist dieser Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen überlebenswichtig: Kassen mit vielen kranken Versicherten sollen mehr Geld zugewiesen bekommen als Internet-Kassen, die vor allem Junge und Gesunde anziehen.

Doch das System hat offensichtlich Schlagseite: Es verlockt, allen Sicherungssystemen zum Trotz, zur Manipulation.

Im Jahresbericht des Bundesversicherungsamtes ist von haarsträubenden "Diagnoseprüfungen" die Rede, die von einzelnen Kassen initiiert wurden. Dabei sollten Ärzte nachträglich Diagnoselisten "autorisieren", die nur ein Ziel hatten: Mehr Geld für die Kasse aus dem Gesundheitsfonds zu eisen.

Missbrauch aufgedeckt, alles gut? Nein, denn der Vorgang hat auch eine politische Komponente. Der Morbi-RSA bringt in seiner derzeitigen Ausgestaltung das Kassensystem in ein Ungleichgewicht.

Die AOK-Familie verzeichnet im ersten Quartal dieses Jahres satte Überschüsse, andere Kassenarten verbuchen Defizite im dreistelligen Millionenbereich.

Der Gesetzgeber muss sich der Aufgabe annehmen, die interne finanzielle Balance der GKV wieder herzustellen - ein heikles, aber alternativloses Unterfangen. Anderenfalls wird der nächste Jahresbericht des BVA noch dicker werden.

Lesen Sie dazu auch: Zuweisungen aus Gesundheitsfonds: Kassen spannen Ärzte für Tricksereien ein

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