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Senioren

Trinkmenge wird oft falsch eingeschätzt

Eine Studie zur Flüssigkeitsversorgung alter Menschen in Pflegeeinrichtungen zeigt eindeutige Abweichungen zwischen angenommener und verabreichter Flüssigkeitsmenge. Intelligente Gefäße sollen für Abhilfe sorgen. Prototypen sind bereits in der Erprobung.

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MÜNCHEN. Alte Menschen haben häufig ein reduziertes Durstempfinden. So kann es dazu kommen, dass sie zu wenig trinken. Deshalb gehört zu einer optimalen Pflege eine optimale Flüssigkeitsversorgung, die bekanntermaßen in Einfuhrbögen der Pflegedokumentation dokumentiert wird.

Wie jedoch eine aktuelle Studie der Technischen Universität München (TUM) und KWA Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) zeigt, wird die den pflegebedürftigen Senioren verabreichte Menge an Flüssigkeit aufgrund nicht normierter oder geeichter Gläser und Tassen vom Pflegepersonal in vielen Fällen falsch eingeschätzt (EMBC. Presented at the 2013 Annual International Conference of the IEEE Engineering in Medicine and Biology Society, EMBC, pp. 4682 - 4685).

Im Durchschnitt enthalten die als "voll" angesehenen Trinkgefäße fünf Prozent zu wenig Füllung, wie die im KWA Luise Kiesselbach-Haus durchgeführte Studie ergab, heißt es in einer Mitteilung der TUM. Dabei variiert diese Differenz noch einmal je nach Gefäß, und zwar sowohl nach oben als auch nach unten.

Im Münchner Pflegestift werden vier Arten von Trinkgefäßen verwendet: Gläser, Kaffeetassen, Schnabelbecher und Becher. Kaffeetassen wurden im Rahmen dieser Studie von den Pflegemitarbeitern mit 86,3 Prozent am geringsten befüllt, gefolgt von den Bechern mit 94,2 und den Trinkgläsern mit 97,4 Prozent, wohingegen die Schnabelbecher im Durchschnitt mit 103,8 Prozent überfüllt wurden.

Fehlmenge beläuft sich 11 ml oder 4,6 Prozent

"Daraus ergibt sich - aufgrund der Differenz zwischen Einschätzung und tatsächlicher Trinkmenge - eine durchschnittliche Fehlmenge von 11 ml bzw. 4,6 Prozent", erläutert Dr.-Ing. Lorenzo D'Angelo, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Lehrstuhls für Mikrotechnik und Medizingerätetechnik (MiMed) der TUM, der die Studie in der Pflegeeinrichtung durchführte, in der Mitteilung. Die größte Fehlmenge wiesen Kaffeetassen mit 13,7 Prozent weniger Inhalt auf.

Und da die (älteren) Menschen im Laufe des Tages in der Regel nicht nur aus einem Gefäß trinken und zudem auch von mehreren Mitarbeitern versorgt werden, könnte das bedeuten, dass im Durchschnitt rund 9 Prozent weniger Flüssigkeit verabreicht als dokumentiert werden.

"Die Studienergebnisse machen ganz klar deutlich, dass die Flüssigkeitsversorgung in Pflegeeinrichtungen kritisch in den Blick genommen werden muss, da die allenthalben geforderte Dokumentation allein nicht aussagekräftig ist und sogar eine Scheinsicherheit vorspielt", betont KWA Vorstand Dr. Stefan Arend in der Mitteilung.

Es sei zu überlegen, die laut Ergebnis fehlenden rund 5 Prozent, die sich durch das zu geringe Befüllen ergeben, quasi prophylaktisch zur vorgegebenen Menge hinzuzufügen.

Technische Hilfsmittel wie Trinkgefäße, die jedem Bewohner die tatsächlich aufgenommene Flüssigkeitsmenge zuordnen, könnten Abhilfe schaffen und zur Optimierung der Flüssigkeitszufuhr und deren genaueren Dokumentation beitragen.

Mitarbeiter sollen auf die Probleme hingewiesen werden

"Solange es diese Hilfsmittel jedoch nicht gibt, sollten Hausleitungen - wie aber auch die Leitungen Ambulanter Dienste - ihre Mitarbeiter für diese Problematik und mögliche Folgen sensibilisieren", sind sich der KWA Vorstand und Michael Pfitzer, Stiftsdirektor des KWA Luise-Kiesselbach-Haus, einig.

Denn nicht nur für Bewohner von Pflegeheimen sei dieses Thema von Wichtigkeit, auch Senioren, die zuhause leben, könnten von technischen Hilfen profitieren.

"Im Rahmen der langfristig angelegten Kooperation von KWA und dem Lehrstuhl für Mikrotechnik und Medizingerätetechnik (MiMed) der TUM sollen nun Geräte und Verfahren unterstützender Technik für die Pflege erforscht und entwickelt werden", erklärt der Ordinarius des Lehrstuhls MiMed und Leiter des Projekts, Professor Tim C. Lueth in der Mitteilung.

Mit der offiziellen Vorstellung erster Prototypen (HydroWarn), die bereits in der Erprobung sind, wird in nächster Zeit gerechnet. (eb)

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