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Fachärzte und Patientenvertreter

Trommeln für eine Revolution

Die Macht der Kassen soll beschnitten, die Ökonomisierung im Gesundheitswesen zurückgedrängt werden: Vertreter fachärztlicher Verbände und von Patienten wollen ein neues Gesundheitssystem - und haben dazu sechs Thesen für Reformen vorgelegt.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Gesundheitskompetenz sollte in Kindergärten und Schulen unterrichtet werden, fordert die DGVP um Präsident Wolfram-Arnim Candidus.

Gesundheitskompetenz sollte in Kindergärten und Schulen unterrichtet werden, fordert die DGVP um Präsident Wolfram-Arnim Candidus.

© Gudath/imago

BERLIN. Für eine nachhaltige, nicht an Wahlperioden orientierte Politik haben Vertreter fachärztlicher Berufsverbände und der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP) geworben.

Der Patient solle im Gesundheitssystem mehr Eigenverantwortung übernehmen. Mehr Gesundheitsbildung und der Ausbau von Prävention sollten ihn dazu in die Lage versetzen.

Im Gesundheitswesen müsse der Primat der Ökonomie zurückgedrängt werden, sagte DGVP-Präsident Wolfram-Arnim Candidus am Dienstag in Berlin.

Ärzte, Pflege- und Patientenverbände sollten gegen die Filzokratie im Gesundheitswesen aufstehen. Die Macht der Kassen sollte zumindest halbiert werden.

Ihre Therapieverantwortung nähmen sie nur noch unzureichend wahr. Ihre "übertriebene Preisorientierung" beeinflusse Therapien negativ.

Zu viele Ärzte und zu viele Kliniken

Die Monetarisierung des Menschen widerspreche dem Anspruch, das Patientenwohl in den Mittelpunkt ärztlichen Tuns zu stellen, ergänzte Professor Hans-Peter Bruch, Präsident der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB).

Tatsächlich sei das Gesundheitssystem völlig überdimensioniert und leide an strukturellen Problemen. Es gebe zu viele Ärzte in Ballungsgebieten und es gebe zu viele Krankenhäuser, in denen zu viel operiert werde. Priorisierung und Rationierung medizinischer Leistungen dürften keine Tabus sein.

Mehr Wahlfreiheit für die Patienten forderte Dr. Stefan Heidl, stellvertretender Landesvorsitzender Westfalen-Lippe der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU).

So sollten zum Beispiel Osteopathie und Akupunktur auch über die bereits erstattungsfähigen Indikationen hinaus Kassenleistungen werden.

Kassen ordneten Satzungsleistungen und Leistungen aus Strukturverträgen eher dem Wettbewerb unter als der besten Medizin für den Patienten.

Sechs Gesundheitsreformen

Die DGVP hat sechs Thesen für Gesundheitsreformen aufgestellt:

› Prävention sollte oberste Priorität im Gesundheitswesen haben.

› Gesundheitserziehung und -aufklärung sollten in der Familie beginnen. Die Vermittlung von Gesundheitskompetenzen sollte in Kindergärten und Schulen fortgesetzt werden. Mehr Bildung solle mehr Gesundheitschancen schaffen.

› Ärzte, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und nichtärztliche Leistungserbringer sollten verpflichtet werden, sich zu vernetzen. Die Effizienzgewinne könnten dann ausgeschüttet werden.

› Die bei den Kassen, Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenhäusern und ihren Organisationen sowie Pflegeeinrichtungen vorliegenden Daten sollten für die Versorgungsforschung genutzt werden. Die Aufbereitung der Daten sollte vom Staat, den Kassen, den Krankenhäusern und Vertragsärzten sowie von Pharma- und Medizinprodukteindustrie finanziert werden.

› Die DGVP fordert mehr Transparenz und Einfluss der Bürger im Gemeinsamen Bundesausschuss. Mittels einer jährlichen Gesundheitsbilanz auf allen politischen Ebenen solle Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität der gesundheitspolitischen Anstrengungen nachgewiesen werden.

› Die Gefahr für die Kassen, Zusatzbeiträge erheben zu müssen, mache langfristige Planungen nahezu unmöglich und provoziere einen Vermeidungswettbewerb bei Investitionen in die Versorgungsqualität, heißt es bei der DGVP. Zusatzbeiträge konterkarierten den Qualitätswettbewerb und sollten abgeschafft werden, so die DGVP.

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