Freihandelsabkommen

Trump bringt britische Ärzte auf die Palme

Äußerungen des US-Präsidenten zum NHS rufen ungewohnt scharfe Reaktionen hervor.

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LONDON. Als „mindestens drei Schritte zu weit“ haben britische Ärztevertreter und Gesundheitspolitiker die jüngsten Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump bezeichnet, der staatliche britische Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) könnte schon bald privatisiert werden und US-Firmen könnten mitverdienen.

Es dauerte nur wenige Minuten bis britische Ärzteverbände öffentlich und in ungewöhnlich scharfem Ton die jüngsten Äußerungen des US-Präsidenten über die Zukunft des NHS und ein mögliches Handelsabkommen zwischen den USA und Großbritannien nach dem Brexit kritisierten.

Trump hatte bei einem Treffen mit Noch-Premierministerin Theresa May in London gesagt, ein „phänomenal großes“ Handelsabkommen zwischen den beiden Ländern könne schon bald dem Ausscheiden der Briten aus der EU folgen.

Auf gezielte Fragen von Journalisten, ob dazu auch der NHS mit seinen mehr als eine Million Beschäftigten zähle, sagte Trump wörtlich: „Alles kommt auf den Tisch, alles, auch der NHS.“

Kontroverse Äußerungen

Eine Privatisierung des von den Briten sehr geliebten Gesundheitsdienstes gilt zwar als absolutes Tabu für jede Regierung gleich welcher Couleur.

Dies hinderte Trump freilich nicht an seinen kontroversen Äußerungen. Der Präsident deutete mehrfach an, amerikanische Firmen könnten zukünftig in der britischen Gesundheitsversorgung involviert sein und gut verdienen.

Nur wenige Minuten nach Trumps Aussagen äußerte der größte und wichtigste Ärzteverband im Königreich, British Medical Association, BMA), eine Privatisierung von Arztpraxen und Kliniken komme „auf keinen Fall“ und „niemals“ infrage.

Die BMA, die die beruflichen Interessen von fast 100.000 Ärzten vertritt, forderte die oder den Nachfolger von Premierministerin Theresa May auf, eine Privatisierung des NHS „auf jeden Fall“ zu vermeiden. „Der NHS steht nicht zum Verkauf“, so BMA-Sprecher Dr. Chaand Nagpaul.

Mittlerweile ist der US-Präsident von seinen umstrittenen Äußerungen allerdings schon wieder zurückgerudert. Er sehe nicht, dass der NHS Teil eines solchen Freihandelsvertrages werden könnte, sagte Trump am Mittwoch bei einem Interview mit dem Fernsehsender ITV. (ast/dpa)

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