Akupunktur und Co

Unbekannte Größe Komplementärmedizin

Quaddeln, Akupunktur und manuelle Medizin erfreuen sich unter den Menschen in Deutschland wachsender Beliebtheit. Stimmt das? Die SPD-Fraktion im Bundestag wollte von der Regierung wissen, was an dieser These dran ist.

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BERLIN. Welche Rolle die Komplementärmedizin in Deutschland spielt, ist weitgehend unbekannt. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion hervor.

Bei 14 der 31 Fragen mussten die Referenten des zuständigen Bundesforschungsministeriums passen. Auch bei der nach der Menge an Menschen in Deutschland, die Angebote der Komplementärmedizin in Anspruch nehmen.

Hausärzte erfahren in ihren Praxen, dass sich ihre Patienten gerne auch nach homöopathischen Kügelchen und pflanzlichen Medikamenten erkundigen.

Korrespondierend zur steigenden Nachfrage auf Patientenseite habe die Anzahl niedergelassener Ärzte, die komplementärmedizinische Diagnose- und Therapiemethoden anbieten, stark zugenommen, heißt es bei der Fachgesellschaft für Allgemeinmediziner.

Wertvorstellungen spielen große Rolle

Beim Einsatz vieler komplementärmedizinischer Verfahren spielten die Arzt-Patient-Beziehung sowie Wertvorstellungen und Präferenzen auf Seiten des Patienten und des Arztes eine bedeutende Rolle, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM).

Hier lägen wesentliche Schnittmengen mit dem allgemeinmedizinischen Ansatz.

Die am häufigsten genannten Methoden in einer von der Degam auf ihrer Internetseite zitierten Umfrage unter Hausärzten waren Neuraltherapie/Quaddeln, Phytotherapie und Akupunktur.

Als häufigste Erkrankungen, bei denen diese Verfahren zum Einsatz kommen, wurden demnach Erkältungskrankheiten, Schmerzen und psychische Störungen genannt. Manuelle Medizin, Entspannungsverfahren und Neuraltherapie/Quaddeln wurden von den Hausärzten als die Verfahren mit dem größten Wirksamkeitspotential eingeschätzt.

Für einige hausärztlich relevante Indikationsbereiche lägen qualitativ hochwertige Studien mit positiven Ergebnissen vor.

Die DEGAM nennt zum Beispiel Johanniskraut bei Depression, Akupunktur bei Rücken- und Knieschmerzen sowie Manuelle Medizin bei Rücken- und Nackenschmerzen.

Als Beispiele für den Eingang komplementärmedizinischer Themen in allgemeinmedizinische Leitlinien führt die DEGAM die Manuelle Medizin und Akupunktur bei Nackenschmerzen und einzelne Phytotherapeutika bei Sinsuitis und Husten an. Zu vielen in der Hausarztpraxis

häufig eingesetzten Methoden gebe es allerdings bisher kaum Forschungsbemühungen. Dies gelte zum Beispiel für die Eigenbluttherapie.

GKV gibt keine 100.000 Euro für Alternativmedizin aus

Die Regierung betont in ihren Antworten gleich zu Beginn, dass für eine Vielzahl von komplementärmedizinischen Heilmethoden im Vergleich zur Schulmedizin empirisch fundierte Erkenntnisse sowohl über den wissenschaftlich gesicherten Nutzen als auch über die möglichen Risiken fehlten.

Gleichwohl seien diese Methoden Bestandteil der medizinischen Praxis.

Konkreter sind die Aussagen zu den Marktanteilen komplementärmedizinischer Medikamente. Von den 97.793 Arzneimitteln in Deutschland zählen demnach 30.368 zu den besonderen Therapierichtungen. Darunter fallen die pflanzlichen, die homöopathischen und die anthroposophischen Arzneimittel.

Diese Arzneimittel werden von den Kassen nur im Rahmen von Wahltarifen erstattet. Nur 13 Kassen bieten solche Wahltarife an. 2012 gaben sie dafür 98.105 Euro aus. 2010 waren es noch 193.346 Euro gewesen, 2008 dagegen 50.927 Euro.

Die privaten Versicherer wenden deutlich mehr Geld für alternative Behandlungen auf. Dies lässt sich nach Auffassung der Regierung aus dem Umfang der Ausgaben für Heilpraktikerbehandlungen ablesen. Er betrug 2012 mehr als 239 Millionen Euro.

Die Bundesregierung selbst fördert die Forschung zur Wirksamkeit komplementärmedizinischer Angebote. Zwischen 2008 und 2012 gab die Regierung Zuschüsse für drei Projekte in Höhe von 1,75 Millionen Euro.

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin zum Beispiel hat eine Studie zur Prävention der Antibiotika-assoziierten Diarrhö mit Saccharomyces boulardii aufgelegt.

Fördergeld gibt es nicht nur vom Staat. Die Deutsche Krebshilfe fördert zwischen 2012 und 2015 den Aufbau eines Kompetenznetzes "Komplementärmedizin in der Onkologie - Kokon" mit 2,5 Millionen Euro. (af)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Rudolf Hege

Chancen überwiegen

Auch wenn es mancher nicht wahrhaben will: Viele Verfahren der Komplementärmedizin sind inzwischen belegt, sowohl ihre Chancen, als auch ihre Risiken und Grenzen.

Sie auf den Placeboeffekt zu reduzieren geht an der Sache vorbei. Jede medizinische Maßnahme von der Akupunkturnadel bis zum chirurgischen Eingriff profitiert vom Placeboeffekt, das haben gerade in den letzten Jahren Studien gezeigt. (http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa013259)

Welcher Hausarzt kann beispielsweise "belegen", ob sein "hochwirksames" Antibiotika beim Patient etwas bewirkte - oder nur die Tatsache, dass dieser "etwas" schluckte. Praxisbeobachtungen lassen da Zweifel aufkommen.

Es wird Zeit, dass die harten Positionen auf beiden Seiten aufgelöst werden, damit Chancen und Grenzen sachlich diskutiert werden können.

Dieter Döring

Komplementärmedizin

Da wird viel gelogen und gute Geschäfte gemacht. Sehr traurig und unärztlich, aber was macht man nicht alles für Geld.
Alles nur ein reiner Placeboeffekt und gar nicht so nebenwirkungsarm wie das dargestellt wird.

Dieter Döring

Quaddeln, Akupunktur und manuelle und komplementäre Medizin

Alles reiner, aber gut vermarkteter, Placeboeffekt. Nichts dran, mehr schädlich als therapeutisch wirksam. Meine Beobachtung nach dreißig Jahren hausärztlicher Tätigkeit.
Die gesetzlichen Krankenkassen sollten nichts davon bezahlen.


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