Nach Scheuers Vorstoß

Unfallchirurgen schockiert über "Motorradführerschein light"

Reicht der Autoführerschein, um Motorräder bis 100 km/h fahren zu können? Ärzte äußern sich entsetzt zum Vorschlag des Verkehrsministers.

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Der symbolische Traum von Freiheit: Dürfen Autofahrer diesen auf kleinen Motorräder zukünftig auch träumen?

Der symbolische Traum von Freiheit: Dürfen Autofahrer diesen auf kleinen Motorräder zukünftig auch träumen?

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BERLIN. Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten: Gestern hatte Spiegel Online berichtet, dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) plant, dass jeder Autofahrer Motorräder bis 100 km/h fahren darf – lediglich wenige Übungsstunden seien nötig, jedoch keine Prüfung. Heute äußern sich in Berlin nun Ärzte zu der Gesetzesänderung in einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Der Tenor der Orthopäden und Unfallchirurgen: Die Änderung gefährde die Gesundheit der Fahrer.

DGOU zweifelt, FDP zeigt Zustimmung

So kritisiert der Generalsekretär der DGOU, Prof. Dietmar Pennig, die Kurzsichtigkeit des Gesetzesvorschlags: „Die Freigabe von Motorrädern bis 125 ccm ohne Schulung mit Prüfung ist fahrlässig. Den Fahrern fehlt die Gefahreneinschätzung, die nur eine strukturierte Ausbildung und entsprechende Praxis leisten können“.

Da die Daten aufzeigten, dass vor allem im Frühjahr viele Motorradfahrer verunglückten, beweise dies, dass schon geübte Motorradfahrer nach den Wintermonaten eingerostet sind, so der Leiter der DGOU Sektion Prävention, Dr. Christopher Spering: „Sollen nun also völlig Ungeübte ein Motorrad führen können, konterkariert das alle bisherigen Präventionsmaßnahmen für Fahrer mit Motorradführerschein“.

Auch Fahrlehrer sind nicht begeistern von der Idee: Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) verweist darauf, dass schon heute ein Großteil der Unfälle von Motorradfahrern auf Fahrfehler zurückzuführen sei. Die paar Übungsstunden seien „völlig unzureichend“, meint BVF-Vorsitzender Dieter Quentin laut dpa. Der TÜV ist ebenfalls gegen die Neuregelung.

Applaus kommt hingegen von der FDP: Der Vorschlag gehe in die richtige Richtung, sagte Verkehrsexperte Oliver Luksic der dpa. Man könne Autofahrern mit zusätzlichen Fahrstunden zutrauen, ein 15 PS-Motorrad „sicher und verantwortlich“ zu steuern.

Was sieht der Gesetzesvorschlag vor?

90 Minuten Theorie und sechs praktische Fahrstunden sind laut Spiegel für die Führerscheinerweiterung vorgesehen. Letztere könnten auch auf einem Verkehrsübungsplatz – also nicht im Straßenverkehr – absolviert werden. Zudem müssten Autofahrer mindestens 25 Jahre alt sein und ihren Führerschein seit fünf Jahren besitzen.

Zuletzt hatte es um die Einführer von E-Scootern ähnliche ärztliche Bedenken gegeben: Diese dürfen nun nicht auf Bürgersteigen fahren, um Fußgänger weniger zu gefährden, wie Orthopäden befürchtet hatten. (ajo)

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