Berufspolitik

Unis wollen Versorgung von Frühchen strikt konzentrieren

In der Debatte um Mindestanzahlen bei der Versorgung von Frühgeborenen spricht sich der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) für eine konsequente Konzentration dieser hoch spezialisierten Leistung auf wenige Zentren aus.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 13.10.2010, 05:00 Uhr
Unis wollen Versorgung von Frühchen strikt konzentrieren

Eine hochkomplexe Leistung, die auf Zentren konzentriert werden sollte: Versorgung von Frühgeborenen unter 1250 Gramm.

© Fanfo / fotolia.com

BERLIN. Am 17. Juni hatte der Gemeinsame Bundesausschusses (GBA) beschlossen, die Mindestanzahl von 14 auf 30 Frühgeborene unter 1250 Gramm ab 2011 zu erhöhen. Bis zuletzt hatte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) dagegen Front gemacht und noch in allerletzter Minute Expertisen vorgelegt, mit denen gezeigt werden sollte, dass ein erheblicher Teil der Kliniken, die diese Anzahl nicht erreicht, gleichwohl qualitativ gut arbeitet. Außerdem könnten Lücken in der Versorgung entstehen, warnte die DKG.

Auch der Verband der Uniklinika (VUD) hält das Mindestmengenkonzept für einen "angreifbaren Surrogatparameter". In einem jetzt vorgelegten Gutachten wird dafür plädiert, die Versorgung von Frühgeborenen konsequent und weitergehender als der GBA dies gemacht hat zu konzentrieren. Basis dafür sollen Parametern zur Ergebnisqualität und zur personellen und strukturellen Ausstattung von Perinatalzentren sein.

Als Kennzahlen für die Ergebnisqualität werden vorgeschlagen:

  • die 28-Tage- und Einjahres-Mortalität;
  • gesundheitliche Einschränkungen, zum Beispiel Infektionen, Hirnblutungen oder Atemnot;
  • körperliche und kognitive Einschränkungen, etwa mit der Folge oft lebenslanger Behinderung;
  • Zufriedenheit der Eltern, etwa mit der psychosozialen Betreuung.

Die Gutachter machen darauf aufmerksam, dass ein enger Zusammenhang zwischen Leistungskonzentration und Wirtschaftlichkeit besteht, der aber aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen durchbrochen wird. Ursächlich dafür seien Marketingerwägungen, eine subventionierte Finanzierung, etwa durch gezieltes Fundraising, oder auch Verbundeffekte mit anderen, benachbarten Leistungsbereichen, die dazu führen, die Gesamtinfrastruktur einer Klinik besser auszulasten.

Unter qualitativen Gesichtspunkten sprechen sich die Gutachter aber für eine eigene neonatologische Infrastruktur aus.

Um die strukturqualitativen Personalvorgaben für ein Perinatalzentrum des Level 1 zu erfüllen und dessen Kapazität auszuschöpfen - was wirtschaftlich zielgerecht wäre - müssten 42 Fälle pro Jahr erreicht werden. Das heißt: Auch die vom GBA im Juni eher willkürlich gesetzte Mindestanzahl von 30 Frühgeburten pro Jahr ist noch zu niedrig, um eine wirtschaftliche Versorgung auf dem höchsten strukturqualitativen Standard zu realisieren.

Möglicherweise wird diese Mindestanzahl aber durchbrochen. Nach Angaben des VUD versuchen kleinere Kliniken, bei den zuständigen Landesministerien Ausnahmegenehmigungen zu erwirken. Einige Bundesländer scheinen dem nachgeben zu wollen.

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