Marburger Bund

Unternehmen sollen eingelagerte Schutzkleidung an Gesundheitspersonal übergeben

Klinikärzte rufen nach Schutzausrüstung: MB-Chefin Johna fordert, Betriebe sollten ihre Lagerbestände von Schutzkleidung und -masken wegen der COVID-19-Pandemie Krankenhäusern und Pflegeheimen zur Verfügung stellen.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 30.03.2020, 14:17 Uhr
Eine Mitarbeiterin eines Textilunternehmens im sächsischen Geyer mit Mundschutz-Masken.

Eine Mitarbeiterin eines Textilunternehmens im sächsischen Geyer mit Mundschutz-Masken.

© Hendrik Schmidt / dpa-Zentralbild

Berlin. Krankenhausärzte und Pflegeanbieter schlagen wegen fehlender Schutzmasken und Schutzkleidung in der Coronakrise Alarm. „Es darf nicht sein, dass aus Mangel an adäquater Schutzausrüstung Menschen in ihrer Gesundheit gefährdet werden, die mit ganzer Kraft anderen Menschen helfen wollen“, sagte die 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, Dr. Susanne Johna, am Montag in Berlin.

Bisherige Lieferungen reichen nicht

Die bisher veranlassten Lieferungen an Schutzmaterialien reichten angesichts der steigenden Zahl von SARS-CoV-2-Infizierten in Deutschland bei Weitem nicht aus, sagte Johna. „Wir fordern die Bundesregierung deshalb auf, gemeinsam mit geeigneten Betrieben zusätzliche Fertigungskapazitäten im Inland aufzubauen, um rasch weitere Lieferungen an die Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime zu ermöglichen.“

In vielen Unternehmen gebe es geeignete Fertigungskapazitäten zur Herstellung von Schutzmasken, Schutzbrillen, Schutzkitteln oder Schutzanzügen, betonte die MB-Vorsitzende. Diese Kapazitäten seien sofort auszuschöpfen. Gleiches gelte für die Fertigung von Beatmungsgeräten für die Intensivstationen.

Betriebe, die derzeit in großer Zahl Schutzmasken und andere nützliche Produkte auf Lager hätten, sollten ein Großteil der Bestände an Krankenhäuser, Arztpraxen, Altenheime und Pflegeeinrichtungen abgeben. Die Bundesregierung müsse hier koordinierend eingreifen, forderte die MB-Vorsitzende.

Pflege ohne Schutz nicht möglich

Ins gleich Horn stießen Vertreter von Pflegeeinrichtungen. Ohne die notwendige Schutzausrüstung könnten die in der Langzeitpflege beschäftigten Menschen ihre Arbeit in der Coronakrise nicht erledigen, hieß es.

„Es darf nicht der Eindruck entstehen, Landesministerien und Gesundheitsämter hätten ihre Aufgabe erledigt, wenn sie die Pflegeeinrichtungen regelmäßig darüber informieren, welche hygienischen Anforderungen zu beachten seien“, sagte etwa der sächsische Landesvorsitzende des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Igor Ratzenberger, am Montag.

Die Grünen riefen die Bundesregierung zu raschem Handeln auf. „Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass die Schutzausrüstung nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in Heimen und der Häuslichkeit in ausreichender Menge vorhanden ist“, sagte Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Alten- und Pflegepolitik der Grünen-Bundestagsfraktion. Der Schutz von älteren und pflegebedürftigen Menschen in Pflegeeinrichtungen und in der eigenen Häuslichkeit müsse äußerste Priorität haben.

Zuvor waren mehrere Todesfälle in Altenheimen wegen einer Coronainfektion bekannt geworden, darunter in Bayern.

Am Wochenende hatten die Pflegekassen erklärt, die knapp 12.000 Pflegeheime und rund 15.000 Pflegedienste in der Coronakrise umfassend zu unterstützen. Pflegekräfte könnten nicht auf körperliche Distanz gehen oder gar im Homeoffice arbeiten. Daher sei für sie Schutzausrüstung enorm wichtig. Entsprechende Produkte und auch Desinfektionsmittel würden daher von den Kassen Eins-zu-Eins refinanziert, so der stellvertretende Vorstandschef des GKV-Spitzenverbands, Gernot Kiefer.

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