Sektorenvernetzung

Versorgung optimiert – MVZ setzt voll auf Gruppentherapie

Eine verbesserte Vernetzung der Sektoren gehört zu den Kernzielen im Entwurf des Koalitionsvertrages. Eine ambulante Einrichtung mit sektorübergreifenden Ambitionen macht vor, was sich mit einem eigenen Versorgungsansatz ohne Scheu vor Größe erreichen lässt.

Von Hauke GerlofHauke Gerlof Veröffentlicht:
Zuerst Gruppen-, dann Einzeltherapie: So erreicht ein Therapeut mehr Patienten.

Zuerst Gruppen-, dann Einzeltherapie: So erreicht ein Therapeut mehr Patienten.

© Simone Fichtl / mauritius images

BERLIN. 80 Ärzte und Psychotherapeuten, insgesamt 160 Mitarbeiter in vier Ambulanzen und einer Tagesklinik: Auch in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung lässt sich durch eine eigene Versorgungsidee und durch Größe einiges bewegen. Das zeigt das Beispiel der Einrichtung Verhaltenstherapie (VT) Falkenried in Hamburg.

Beim BMC-Kongress 2018 stellte Dr. Ulrike Lupke, Psychotherapeutin und eine von zwei Geschäftsführern der VT Falkenried, das Konzept der Einrichtung vor:

- möglichst kurze Wartezeiten auf das Erstgespräch,

- im Anschluss daran schneller Beginn einer kurzen Gruppentherapie mit abschließender standardisierter Diagnostik und Abschlussgespräch, - danach je nach Schwere der Erkrankung eine gestufte Versorgung, bis hin zu einer tagesklinischen Betreuung, die durch ein strukturiertes Fallmanagement gesteuert wird.

Mit diesem Konzept, so Lupke, ließen sich Therapiezeiten verkürzen und Behandlungskapazitäten von Therapeuten effizient nutzen – ein Therapeut könne durch den hohen Anteil der Gruppentherapie mehr Patienten versorgen als in der sonst meist vorherrschenden langen Einzeltherapie.

Vorteil der Größe sei es, schnell immer wieder Therapiegruppen zusammenstellen zu können. "Wir haben einen Anteil von 55 Prozent aller Gruppentherapien in Hamburg", konstatierte Lupke in Berlin.

In einem Selektivvertrag mit der DAK Gesundheit beispielsweise schaffe es die Einrichtung, Patienten ohne Wartezeit ein Erstgespräch mit Eingangsdiagnostik zu bieten – mit direkt anschließender Gruppentherapie. "Das ist durchaus versorgungsrelevant", so Lupke. "Viele Patienten kommen nicht chronifiziert in die Gruppentherapie, wir erreichen sie frühzeitig, und zehn Prozent sind nach neun Sitzungen und einem Abschlussgespräch tatsächlich ohne weiteren Therapiebedarf."

Von den anderen Patienten seien nach 14 weiteren Therapiestunden, teils einzeln, teils in der Gruppe, weitere 50 Prozent laut Abschlussdiagnostik "fertig mit der Therapie". Dabei betreibe das VT Falkenried keine Rosinenpickerei, so Lupke, die Patienten seien "vorher stärker erkrankt als sonst in der Regelversorgung".

Die abgestufte Therapie erlaube es der Einrichtung, schwerer Erkrankte Patienten in der Intensiv-Ambulanz oder in der eigenen Tagesklinik strukturiert weiter zu betreuen. "Die Patienten bleiben in einer Einrichtung, durch unsere Nachbetreuung reduzieren wir den Drehtür-Effekt, die Aufenthaltsdauer liegt 22 Prozent unter dem Durchschnitt", erläuterte Lupke. Als nächstes hat sich VT Falkenried vorgenommen, die Versorgungskette mit der Übernahme stationärer Betten zu komplettieren.

Diskutiert wurde beim BMC-Kongress, welche Bedeutung solche sektorübergreifenden Konzepte wie das der VT Falkenried für andere Versorgungsbereiche gewinnen könnten. "Ambulante Einrichtungen müssen größer werden, damit sie Partner für moderne Versorgungskonzepte finden. Wenn nicht, nehmen die Krankenhäuser das Heft des Handelns in die Hand", lautete ein Kommentar in der Veranstaltung. Auch durch Kooperationen, etwa in Arztnetzen, könnten niedergelassene solche Relevanz in der Versorgung gewinnen.

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