Kommentar
Das letzte Wort über die HzV ist noch nicht gesprochen
In der Debatte um die Primärversorgung der Zukunft hilft weder das Hohe Lied auf die HzV noch ihr Schlechtreden. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken benötigt konstruktive Vorschläge, wie Patientensteuerung besser gelingt.
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Primärversorgungssystem: „Mission impossible“ für Bundesgesundheitsministerin Nina Warken?
© Sebastian Gollnow/dpa
Was Medien als „brisant“ kolportieren, erweist sich als überraschungsfreier Befund: Ein Team um den Hamburger Gesundheitsökonomen Professor Jonas Schreyögg hat Verträge der Techniker Kasse zur Hausarztzentrierten Versorgung in 13 Bundesländern untersucht.
Das Ergebnis fällt auf den ersten Blick für die Befürworter der HzV mager aus: Bei der Steuerung der Versorgung, bei Wirtschaftlichkeit und Versorgungsqualität sind positive Effekte kaum oder gar nicht sichtbar – weder etwa bei der Zahl der stationären Aufnahmen, noch bei der Pharmakotherapie. Am Ende des Tages bleiben der TK nur Mehrausgaben im Vergleich zur Regelversorgung.
Urteil also schon gefällt? Bei allen untersuchten Vereinbarungen mit den regionalen Hausarztverbänden handelt es um geschiedste Verträge. Mit anderen Worten: Eine Vertragsseite – hier die Kasse – wollte diese HzV-Vereinbarung eigentlich nicht. Nur hat der Gesetzgeber Kassen halt verpflichtet, ihren Versicherten diese Versorgungsoption anzubieten.
Zwangsverträge verströmen schwerlich einen Charme, der die Vertragspartner zu innovativen und patientenzentrierten Vereinbarungen anstiftet. Schreyöggs Befunde sollten ein Anlass sein, dass Pflichtinstrument HzV im SGB V neu zu bewerten. Doch über das Potenzial der HzV ist damit das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Denn der AOK-Hausarztvertrag in Baden-Württemberg hat sich – auf freiwilliger Basis – seit vielen Jahren als eine „Innovationsküche“ etabliert: Ein komplexer und in zahllosen Schritten weiterentwickelter Vertrag, der haus- und fachärztliche Versorgung in einem Netz von Selektivverträgen verbindet. Die positiven Versorgungseffekte dieser spezifischen HzV sind vielfach gründlich evaluiert worden.
Doch die TK wird mit ihrer Auftragsstudie vermutlich auf große Resonanz in dem Bestreben stoßen, die HzV als wenig geeignetes Rollenvorbild für ein künftiges Primärversorgungsmodell zu brandmarken. Tja, und was sind die Alternativen? Hier werden die Vorschläge der HzV-Kritiker sehr schnell kleinteilig und es dominieren Buzzwörter wie „Ersteinschätzung“ oder „flexiblere Koordination nach Krankheitsbild“.
Arme Nina Warken! Sie muss aus konkurrierenden Grundhaltungen und sich widersprechenden Befunden Elemente eines konsistenten Primärversorgungssystems destillieren. Und am Ende des Tages soll das – irgendwann – auch einen belegbaren Patientennutzen stiften. Mission impossible?






