Gremium „Pakt für den ÖGD“

Vorschläge für Gesundheitsamt 2.0 vorgelegt

Die Corona-Pandemie hat Defizite im Öffentlichen Gesundheitsdienst deutlich zutage gefördert. Jetzt hat ein Expertenbeirat Empfehlungen vorgelegt, wie sich die Mängel abstellen lassen. Ein Punkt betrifft die Bezahlung.

Veröffentlicht:
Dr. Ute Teichert, Vorsitzende des BVÖGD.

Dr. Ute Teichert, Vorsitzende des BVÖGD übergab den ersten Bericht zum Umbau des ÖGD an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

© BVÖGD

Berlin. Der Beirat zum „Pakt für den ÖGD“ hat seinen ersten Bericht zum Umbau des Öffentlichen Gesundheitsdienstes vorlegt. Die Vorsitzende des Gremiums, die Chefin der Amtsärztinnen und Amtsärzte in Deutschland, Dr. Ute Teichert, übergab den 44 Seiten langen Bericht am Donnerstag an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Ärzte und Wissenschaftler sprechen sich darin unter anderem dafür aus, einheitliche Standards für Krisen wie die Corona-Pandemie zu schaffen. Außerdem seien die 375 Gesundheitsämter personell deutlich aufzustocken.

Mehr Personal für alle Bereiche

Die Aufstockung habe für alle Aufgabenbereiche des ÖGD zu gelten und nicht nur für den Infektionsschutz. Der Personalaufwuchs müsse dauerhaft angelegt sein und brauche eine nachhaltige Finanzierung – auch nach der Laufzeit des Paktes ÖGD.

Der von Bund und Ländern aufgelegte Pakt ist bis 2026 befristet. Der Bund hat für das Projekt gut vier Milliarden Euro bereitgestellt. Angepeilt sind zudem 5000 neue Stellen in den Gesundheitsämtern – nach Möglichkeit bis Ende 2022.

Als problematisch stufen die Beiratsmitglieder ein, dass es bislang keine „differenzierten“ Zahlen zur Personalausstattung im ÖGD gebe. Lediglich die Bundesärztekammer erhebe in ihrer jährlichen Ärztestatistik Daten für die Berufsgruppe.

Bessere Bezahlung von Amtsärzten

Um mehr Mediziner für eine Tätigkeit im ÖGD zu gewinnen und gleichzeitig die „Abwanderung aus dem ÖGD“ zu verhindern, müssten Amtsärzte besser bezahlt werden, heißt es im Bericht weiter. Bislang würden Ärzte im ÖGD „nicht gleichwertig wie in Krankenhäusern oder bei Begutachtungsstellen wie dem Medizinischen Dienst bezahlt“.

Die Pandemie habe zudem vor Augen geführt, dass der ÖGD bei der Digitalisierung „dringend gestärkt und modernisiert“ werden müssen. Bislang sei die digitale Landschaft des ÖGD durch verschiedene Anbieter und Anwendungen „zersplittert“ und hindere die Ämter an effizienter Arbeit. Der Ausbau von DEMIS und SORMAS müsse daher „mit Hochdruck“ vorangetrieben werden.

Regelmäßige Evaluation nötig

Zum Zweck einer bessere Aus-, Fort und Weiterbildung sollten Lehr- und Forschungsgesundheitsämter etabliert und eine wissenschaftliche Infrastruktur zwischen ÖGD, Forschungseinrichtungen, Universitäten und bestehenden Akademien des ÖGD geschaffen werden, lautet eine weitere Empfehlung.

Nötig sei darüber hinaus die regelmäßige Evaluierung der Ausrichtung und Funktion des ÖGD. Die Evaluation könne beim Gesundheits-Sachverständigenrat (SVR) angesiedelt sein oder per Auftragsvergabe an ein externes Institut vergeben werden. (hom)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Prof. Dr. Jan-Peter Jantzen

Als überbrückende Erstmaßnahme könnte man sich auf freiwilliger Basis von der "Zwangsberentung" trennen. Sodann könnte man die Vakanzen für - rüstige und qualifizierte - Ruheständler öffnen. Parallel dazu würden - dann mit weniger Druck - die Maßnahmen zur Steigerung der Konkurrenzfähigkeit Wirkung entfalten.


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