Kommentar zu Gassens Geldforderung

Weg von den Terminen?

Veröffentlicht:

Von Hauke Gerlof

Da gehört ein Preisschild dran!" Wenn Vertragsärzte sich 25 Prozent mehr Zeit für ihre Patienten nehmen sollen, dann muss das etwas kosten.

Es ist wichtig, dass KBV-Chef Dr. Andreas Gassen jetzt Pflöcke eingeschlagen hat. Denn mit seinen konstruktiven Aussagen signalisiert er zugleich Gesprächsbereitschaft.

Um Zugeständnisse in Sachen Wartezeit werden die Ärzte nicht herumkommen, auch wenn in dringenden Fällen weder Kassen- noch Privatpatienten warten müssen.

Aber Gassens Skepsis über freie Sprechstunden in Facharztpraxen ist nachvollziehbar. Der Vorteil rationaler Terminplanung ist ja gerade, dass für Diagnostik und Therapie dann auch die Medizingeräte frei sind.

Und eine offene Sprechstunde am Vormittag, zu der mehr Patienten als erwartet kommen, könnte den kompletten Tagesablauf durcheinander bringen.

Am Abend wäre es nicht besser – wenn es dann bis Mitternacht geht. Diese Zeiten sind in den meisten Praxen zum Glück vorbei. Und wir wollen sie uns nicht zurückwünschen.

Lesen Sie dazu auch: KBV-Chef fordert: Mehr Sprechzeit - mehr Geld!

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Kommentare
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Dr. Martin P. Wedig

Diskussion ohne Daten

Ich finde keine Publikation zur derzeitigen Verteilung von Sprechstunden in vertragsärztlichen Praxen. Da die Sprechstunden pro angestellten Arzt in Daten eingeflossen sein mögen, welche Politiker zur Meinungsbildung nutzen, können massive Verzerrungen der Lageeinschätzung entstanden sein. Durch Anstellung von Ärzten wurde das Angebot ärztlicher Beratung erweitert. Diese Ärzte sind jedoch nur in geringerem Umfang zum Angebot von Sprechstunden verpflichet. So wird ein renommierter Arzt, der zu weniger als 10 Stunden Mitarbeit angestellt ist, auch weitgehend andere, strukturelle Leistungen für die Praxis erbringen, als Patienten zu beraten.

Als Bürger fallen mir keine Praxen mit einem Minimalangebot von Sprechzeiten auf. Der Abgleich von Terminen, die Verfügbarkeit von Untersuchungsmöglichkeiten sind die kritischen Variablen.

Da der Haushalt der Bundesregierung mit unerwarteten Mehrbelastungen in Höhe zweistelliger Milliarden zurechtkommt, mag man den politischen Willen umsetzen. Der Hebel der Personalkosten ist erheblich. Aber wir schaffen das.

Dr. Thomas Georg Schätzler

Der KBV mangelt es an konkreter Realitätswahrnehmung und taktischer Raffinesse!

"Ein Viertel mehr Sprechstunden heißt auch ein Viertel mehr Geld", fordert der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der orthopädische Kollege Dr. med. Andreas Gassen.

Das ist bei bereits laufender, mangelhafter Honorierung von Vertragsärztinnen und Vertragsärzten insbesondere im hausärztlichen Bereich durch Pauschalierung, Budgetierung, Regelleistungsvolumina, aber auch durch empfindliche Laborkürzungen und einengende Ausnahme-Kennziffern seit dem 1.4.2018 eine gefährliche taktische Fehleinschätzung.

Denn es besteht eine jahrzehntelange Kostenunterdeckung, weil insbesondere im hausärztlichen Versorgungsbereich zwischen 20% und 25% unbezahlte Leistungen erbracht werden: Hohe Konsultationsfrequenzen, Nicht-Abrechenbarkeit, falsches Kausalitätsdenken, zunehmende Multimorbidität, demografische Faktoren, Medikalisierung des Alltags, Forschung und Entwicklung, forensische und medizinische Weiterentwicklungen und nicht mehr einhegbares Anspruchs- und Vollversorgungs-Denken ("flatrate"-Medizin, "all-you-can-eat"-Mentalität) bzw. nicht zuletzt Arzthaftungs- und Antikorruptions-Gesetzgebung bestimmen den gesellschaftlichen Diskurs.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) verteidigt mit ihrer Pseudo-Forderung: "Ein Viertel mehr Sprechstunden heißt auch ein Viertel mehr Geld", nur bereits bestehende Mangelversorgungen bzw. Unterdeckungen ärztlicher Leistungen, die sie zuvor selbst geschaffen hat!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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