Direkt zum Inhaltsbereich

Der Standpunkt

Wehrpflicht und Zivildienst

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

Helmut Laschet ist Ressortleiter Gesundheitspolitik und stellv. Chefredakteur bei der "Ärzte Zeitung". Schreiben Sie ihm: helmut.laschet@springer.com

Mit Recht hat Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg eine ernsthafte Debatte über den Sinn der Wehrpflicht angestoßen. Denn von Wehrgerechtigkeit kann schon lange keine Rede mehr sein. Und den heutigen Qualifikationsanforderungen können sechs Monate dienende Soldaten in keiner Weise gerecht werden. Eine Reform ist überfällig.

Denk- und Entscheidungsvorbehalte darf es auch nicht geben, weil die Existenz der Wehrpflicht mit der des Zivildienstes verknüpft ist. Hier ist präzise die Kausalität zu beachten. Denn der Zivildienst wurde aus zwei Gründen geschaffen: Er ist Resultat der grundgesetzlich verbrieften Gewissensfreiheit, die es dem Einzelnen ermöglicht, den Dienst mit der Waffe zu verweigern, und des verfassungsrechtlichen Gebots der Gleichbehandlung.

Freilich: Die seit Ende der 60er Jahre Gewohnheit gewordene Praxis, das Gewissen inflationär zu bemühen, hat zu einer Flut von Zivildienstleistenden geführt - und damit zu einer Gewöhnung der Sozialkonzerne wie Caritas, Diakonie & Co. an einen Subventionstatbestand.

Zu den Tatsachen gehört auch: Wehr- wie Zivildienstpflichtigen wird durch staatliche Gewalt Lebenszeit weggenommen - und dies bedarf einer sehr guten Begründung.

Richtig ist natürlich, dass in der Pflege - mehr noch als bei den Ärzten - die Sorge um den Nachwuchs brennend wird. Erst am Mittwoch hat der Präsident des Bundesverbandes privater Pflegeanbieter, Bernd Meurer, Alarm gegeben und den Pflegenotstand ausgerufen. Die Ursachen für die Personalnot sind vielfältig: Eine wenig attraktive Bezahlung ist vielleicht nicht einmal ausschlaggebend. Während ein Teil der Pflegeberufe in die Akademisierung und an die Schreibtische flüchtet, malochen die Basisarbeiter bis zur Erschöpfung. Frustriert wechseln sie die Arbeitgeber - und flüchten am Ende aus dem Beruf. Die Existenz von Zivildienstleistenden hat die latente Personalnot über Jahrzehnte camoufliert.

Die Humanität einer Gesellschaft zeigt sich an ihrem Umgang mit alten Menschen. Richtig! Nur, die jungen und arbeitenden Menschen zu vergessen, macht die Humanität allerdings zu einem nicht mehr erreichbaren Ideal.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Fünf Säulen der Behandlung

COPD: Das empfiehlt die aktualisierte Leitlinie

Lesetipps
Ein älterer Mann bekommt eine Impfung in den rechten Oberarm.

© InsideCreativeHouse - stock.adobe.com

Respiratorische Viren

So gut wirkt der Impfschutz gegen COVID-19, Influenza und RSV

Euro Geldscheine mit Münzen und Stethosko

© PhotographyByMK / stock.adobe.com

Update

Honorarverhandlungen

Ärzte und Krankenkassen einigen sich auf das Honorar 2027

Spritze zum Impfen mit Schriftzug

© Fiedels / stock.adobe.com

Hotline Impfen

Stellen Sie Ihre Fragen zum Impfen!