Weniger Pädiater, weil Zahl der Kinder sinkt?

13,4 Millionen Kinder bis 18 Jahre haben im vergangenen Jahr in Deutschland gelebt, nur noch 12,2 Millionen werden es im Jahr 2020 sein. Pädiater warnen davor, aus dieser Entwicklung falsche Schlüsse zu ziehen.

Raimund SchmidVon Raimund Schmid Veröffentlicht:
Der vierjährige Janis bei der U8-Vorsorgeuntersuchung: die Leistungs- und Qualitätsanforderungen an Pädiater wachsen.

Der vierjährige Janis bei der U8-Vorsorgeuntersuchung: die Leistungs- und Qualitätsanforderungen an Pädiater wachsen.

© Thomas Lohnes/ddp

BIELEFELD. Trotz sinkender Geburten- und Kinderzahlen in Deutschland wird der Bedarf an Kinder- und Jugendärzten auch in Zukunft nicht abnehmen. Ansonsten wäre der hohe pädiatrische Standard in Deutschland auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten. Davon zeigt sich Professor Fred Zepp, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), überzeugt.

Wie Zepp bei der Jahrestagung der DGKJ in Bielefeld vor den über 2500 Teilnehmern ausführte, wird die Zahl der Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahren von 13,4 Millionen (2010) auf 12,2 Millionen im Jahr 2020 sinken.

Arbeitsleistung pro Arzt sinkt

Die Zahl der Kinder- und Jugendärzte habe sich zwar in den vergangenen 50 Jahren auf heute knapp 13.000 Pädiater verzehnfacht. Davon dürften sich die Gesundheitspolitiker aber nicht blenden lassen.

Da der Frauenanteil in der Pädiatrie sowohl bei den Studenten wie auch bei den Ärzten ausgesprochen hoch sei und gerade die Kinder- und Jugendärztinnen in Klinik und Praxis häufig Teilzeitstellen ausfüllten, sinke in der Pädiatrie automatisch die Arbeitsleistung pro Arzt.

Hinzu kämen deutlich erhöhte Leistungs- und Qualitätsanforderungen, die heute an das Fach gestellt würden. Zepp stellte dabei vor allem das Neugeborenenscreening heraus, bei dem heute bei 99 Prozent aller Babys in Deutschland innerhalb von 48 bis 72 Stunden nach der Geburt nach 14 angeborenen Erkrankungen gefahndet wird.

Dank dieser Screenings war es allein zwischen 2005 und 2008 möglich, fast 2000 neugeborenen Kindern "schnellstmöglich die dringend benötige Therapie" zuteil werden zu lassen.

Erhebliche Fortschritte in der Prävention

Auch bei der Prävention konnten erhebliche Fortschritte erzielt werden. Starben im Jahr 1990 noch 1283 Säuglinge am plötzlichen Kindstod, waren es 2008 nur noch 215. Zepp: "Dies entspricht 10.000 geretteten Säuglingen in diesem Zeitraum."

Um in Zukunft den erforderlichen Nachwuchs auf Dauer sicherstellen zu können, forderte Dr. Folker Fehr vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Bielefeld die politisch Verantwortlichen dazu auf, das Gesetz zur Förderung der Allgemeinmedizin in ein Gesetz zur "Förderung der Primärmedizin" umzuwandeln.

Nur dann würden die strukturellen und finanziellen Voraussetzungen vorliegen, um die erforderliche Anzahl von Pädiatern für die Praxen weiterbilden zu können, erklärte Fehr.

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