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Wer beim Giftnotruf um Rat fragt

Immer mehr Anrufe wegen Vergiftungen - sogar vom Kreuzfahrtschiff "Aida". Das Giftinformationszentrum-Nord an der Uni Göttingen kann sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Viele Anfragen kommen sogar von medizinischem Personal.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Unterwegs auf den Weltmeeren: die "Aida". Wenn ein Patient Vergiftungssymptome hat, weiß die Besatzung, wo Rat zu holen ist.

Unterwegs auf den Weltmeeren: die "Aida". Wenn ein Patient Vergiftungssymptome hat, weiß die Besatzung, wo Rat zu holen ist.

© Wüstneck / dpa

GÖTTINGEN. Immer mehr Anfragen wegen Vergiftungen - sogar vom Kreuzfahrtschiff "Aida". Das Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord) an der Universitätsmedizin Göttingen hat im vergangenen Jahr drei Prozent mehr telefonische Anfragen als 2009 bearbeitet.

Insgesamt 35 871 Anfragen zu Vergiftungen haben die ärztlichen Berater im Jahr 2010 beantwortet. Das geht aus dem Jahresbericht 2010 hervor.

Vergiftungen von Erwachsenen häufig im Zusammenhang mit Suizidversuchen

Die Anfragen kommen mit 57 Prozent etwa zur Hälfte von Laien und mit 43 Prozent zur Hälfte von medizinischem Personal, erklärte Dr. Andreas Schaper vom Giftinformationszentrum.

Insgesamt seien seltene und ungewöhnliche Vergiftungen die häufigsten Anlässe, zu denen die Experten des GIZ-Nord angefragt werden. "Kollegen haben es bei Vergiftungen von Erwachsenen oft mit Suizidversuchen zu tun", erläutert Schaper.

"One pill can kill!"

Vergiftungen von Kindern gehen oft zurück auf Pflanzen oder Chemikalien und etwa zu einem Drittel auf Tabletten, die die Kinder zum Beispiel aus der Schublade der Eltern geholt und geschluckt haben. "Hier stimmt leider der englische Slogan", so Schaper, "one pill can kill!"

"Der erneute Anstieg der Anfragen auf über 35 000 zeigt, wie gut das GIZ bei der Bevölkerung sowie bei den Ärztinnen und Ärzten akzeptiert ist", sagte Dr. Herbert Desel, Leiter des GIZ-Nord.

Aus dem östlichen Mittelmeer rief sogar die Besatzung vom Kreuzfahrtschiff "Aida" die Giftexperten wegen einer Verätzung um Hilfe.

Viel mehr Pilzvergiftungen

Im Sommer und Herbst des vergangenen Jahres stieg vor allem die Zahl der Pilzvergiftungen wegen der warmen und feuchten Witterung im Beratungsgebiet des GIZ-Nord im Vergleich zum Jahr 2009 um mehr als das Dreifache, heißt es im Bericht.

"Im letzten Jahr hatten wir über dreißig Fälle mit schweren Vergiftungen vor allem durch den Knollenblätterpilz, vier Menschen sind an Pilzvergiftungen gestorben", berichtet Schaper, "Pilzsammler sollten nicht so leichtsinnig sein und sich nur auf ein Buch zur Pilzerkennung verlassen", warnt er.

Viele Bücher bildeten nur eine geringe Auswahl der heimischen Pilzsorten ab.

Info: Universitätsmedizin Göttingen, Giftinformationszentrum-Nord; Tel.: 0551/383180, www.giz-nord.de

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