Berufspolitik

Westfalen-Lippe: Ein Netz für den Nachwuchs

Aus Sicht der KV Westfalen-Lippe sind Praxisnetze nicht nur Säulen für die regionale Versorgung. Sie erleichtern auch jungen Ärzten den Einstieg in die ambulante Tätigkeit, so KVVorstandvize Nordmann.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Passgenaue Versorgung vor Ort wird durch regionale Ärztenetze unterstützt. Diese sind zudem gerade für den Nachwuchs attraktiv.

Passgenaue Versorgung vor Ort wird durch regionale Ärztenetze unterstützt. Diese sind zudem gerade für den Nachwuchs attraktiv.

© TSUNG-LIN WU / Fotolia.com

KÖLN. Die Förderung von ärztlichen Kooperationen ist für die KV Westfalen-Lippe (KVWL) ein entscheidender Faktor zur Sicherstellung der ambulanten Versorgung auf dem Land. "Es gibt viele Modelle, an denen große Gemeinschaftspraxen oder Ärztenetze ihren Anteil haben", sagte KVWL-Vize Dr. Gerhard Nordmann bei einer Veranstaltung auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin, die sich mit "aktuellen Herausforderungen der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum" beschäftigte.

Größere ärztliche Verbünde erhöhten nicht nur die Effektivität der Praxis und der Versorgung. Die enge Zusammenarbeit und der Austausch mit Kollegen steigerten auch die Arbeitszufriedenheit, erläuterte Nordmann. "Meiner Ansicht nach erleichtern größere Praxen, Praxisgemeinschaften oder regionale Ärztenetze auch den Einstieg für junge Mediziner."

Gerade in die regionale Vernetzung von Haus- und Facharztpraxen setzt die KVWL große Hoffnungen. Sie fördert bislang 17 Ärztenetze mit zusammen mehr als 2000 Mitgliedern. "Die Netze übernehmen Aufgaben, mit denen die bislang vorherrschende Struktur der Einzelpraxen überfordert ist." So sei es in Westfalen-Lippe gelungen, auf der Basis von Netzstrukturen eine umfangreiche und flächendeckende palliativmedizinische Versorgung zu implementieren.

Arbeit im Verbund attraktiver

Die KVWL zeigt sich überzeugt, dass die Praxisnetze sich zu Säulen der regionalen Versorgung entwickeln werden. "Und wir sind ebenso sicher, dass die Arbeit im Verbund eines Praxisnetzes attraktiver für den ärztlichen Nachwuchs sein wird als die isolierte Arbeit in einer Einzelpraxis", betonte Nordmann. Wie alle KVen bemühe sich die KVWL, Lösungen für die Sicherstellung der ambulanten Versorgung zu finden, betonte Nordmann. Dabei spiele die Nachwuchsgewinnung eine zentrale Rolle.

Um Nachwuchs für die ambulante Versorgung zu gewinnen, versucht die KVWL, die jungen Mediziner möglichst früh von den Vorteilen der Arbeit in den Praxen zu überzeugen: über die gezielte Information an Universitäten, Stipendien für die Famulatur oder das Praktische Jahr sowie die Förderung der Weiterbildung.

Nachbesetzung gelingt nicht immer

Es sei aber klar, dass es nicht gelingen wird, die heutige Versorgungsstruktur komplett zu erhalten und jeden freien Arztsitz mit einer jungen Ärztin oder einem jungen Arzt neu zu besetzen, stellte der KVWL-Vize klar. "Deshalb müssen wir genau hinschauen und die tatsächliche Versorgungssituation analysieren, wo wir auf jeden Fall sinnvolle und notwendige Angebote aufrechterhalten müssen."

Die KVWL sei für diese Aufgaben IT-technisch gut aufgestellt. Gleichzeitig suche sie frühzeitig das Gespräch und die Kooperation mit den Kommunen. Die KVen können die Sicherstellung der ambulanten Versorgung nicht allein stemmen, sagte Nordmann. Gesundheitspolitiker hätten schon einiges getan, um die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu liberalisieren. "Von den Wissenschaftsressorts der Länder und von Medizinischen Fakultäten erwarten wir da noch Weichenstellungen."

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