Direkt zum Inhaltsbereich

Qualität im Gesundheitswesen

"Wettbewerb fristet nur Schattendasein"

Mehr Qualität im Gesundheitswesen gibt es nur bei mehr Wettbewerb, sagt der Gesundheitsweise Greiner.

Veröffentlicht:

SCHWERIN. Um die Behandlungsqualität im deutschen Gesundheitswesen zu verbessern, müsste nach Einschätzung von Professor Wolfgang Greiner mehr Wettbewerb ermöglicht werden.

Das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen sieht den Wettbewerb um Qualität im Vergleich zum Mengen- und Preiswettbewerb zu schwach ausgeprägt. "Er führt ein Schattendasein", sagte Greiner auf einem Gesundheitssymposium der Konrad-Adenauer-Stiftung in Schwerin.

Der Bielefelder Gesundheitswissenschaftler hat außerdem beobachtet, dass die Diskussion um ärztliche Behandlungsqualität in aller Regel losgelöst von Honorarfragen geführt wird - was er für problematisch hält.

Denn: "Die Qualität lässt sich innerhalb eines Budgets nur bis zu einem gewissen Grad steigern." Ein weiteres Hindernis für mehr Qualität im Gesundheitswesen sieht Greiner in der Trennung der Sektoren. Über Qualität entscheide aber nicht allein die einzelne Therapie bei einem Leistungserbringer, sondern auch die Abstimmung zwischen den beteiligten Ärzten und Kliniken, gab er zu bedenken.

Von den Regelungen im Krankenhausstrukturgesetz erwartet Greiner unter dem Strich eine positive Wirkung für die Qualität. Er lobte unter anderem die Möglichkeit der Qualitätszu- und -abschläge, eine rechtswirksame Ausgestaltung der Mindestmengenregelung und die Verpflichtung der Krankenhäuser, ihre Qualitätsberichte patientenfreundlicher zu gestalten.

Um zu einem patientenfreundlichen Qualitätswettbewerb zu kommen, brauche es aber Alternativen für die Patienten, sagte Greiner - und die Auswahl an Kliniken sei in einigen Regionen schon heute sehr begrenzt: "Wie soll man ein Krankenhaus aus dem Plan nehmen, wenn es keine Alternative gibt?"

Stefan Fiedler, Krankenhausdirektor beim Klinikträger Ameos, sieht die Krankenhäuser auch in abgelegenen Regionen in einem Wettbewerb. "Natürlich stimmen die Patienten mit den Füßen ab. Natürlich schauen die einweisenden Ärzte auf unsere Behandlungsergebnisse. Die Meinung der niedergelassenen Ärzte über unsere Qualität merken wir am Einweisungsverhalten", sagte Fiedler.

Zugleich verwies er auf eine seit Jahren anhaltende Entwicklung. In den vergangenen Jahren habe die Qualität "Fahrt aufgenommen", sagte Fiedler unter Hinweis auf QM-Beauftragte, QM-Systeme, Qualitätszirkel und Qualitätsberichte. Dies alles habe dazu geführt, dass heute Verwaltungschefs mit ihren Chefärzten selbstverständlich auch über Qualität reden - was früher undenkbar gewesen sei. Sein Fazit: "Wir erleben es nicht so, dass nichts passiert." (di)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Tipps

Sommerhitze: Das ist wichtig bei älteren Patienten

Lesetipps
Es muss nicht immer die ganze Packung sein. Bei Abklingen der Symptome reicht oft eine kürzere Dauer der Antibiotikatherapie.

© umang / stock.adobe.com

Kürzer ist oft besser

Wann ein Antibiotikum früher abgesetzt werden kann

Ab in den Urlaub! Doch vorher sollte je nach Reiseziel der Impfstatus hinsichtlich Hepatitis A gecheckt werden.

© Henrik Dolle / stock.adobe.com

Virushepatitis im Urlaub

Hepatitis auf Reisen: Wie schützen und wen?

Mehrere Menschen im Gespräch

© Jacob Lund / stock.adobe.com

Wohlbefinden stärken

Wie sich psychische Erkrankungen im Praxisteam vorbeugen lassen