Überlastete Kliniken

Wie gelingt Delegation im Krisenfall?

Mit Blick auf die potenzielle Überlastung von Intensivabteilungen empfehlen Wissenschaftlerinnen, rechtzeitig die Potenziale von Delegation auszuloten.

Veröffentlicht:

Wolfsburg. Die Corona-Pandemie macht unter Umständen in der Klinik die Delegation pflegerischer und intensivmedizinischer Aufgaben nötig. Ein Modell, wie hierbei vorgegangen werden kann, haben Professor Martina Hasseler und Kolleginnen von der Fakultät für Gesundheitswesen an der Ostfalia – Hochschule für angewandte Wissenschaft vorgelegt.

Die Autorinnen halten ein „krisenbedingtes Umdenken“ für unabdingbar. In der aktuellen Pandemie sei dabei eine Abkehr von den tradierten Qualifikationsrahmen und den damit verbundenen Aufgaben geboten.

„Pflegefachpersonen müssen mit Ärzten Hand in Hand zusammenarbeiten, Hilfskräfte müssen zielgerichtet eingebunden werden“, so die Autorinnen. Es dürfe nicht der Fehler begangen werden, unausgebildete Hilfskräfte „in der Kompetenzausübung den dreijährig examinierten Pflegekräften oder denjenigen mit intensivmedizinischer Fachweiterbildung gleichzusetzen“.

Hasseler empfiehlt als Grundlage einen Kompetenzbegriff, bei dem sich Handlungskompetenz aus vier Teilbereichen generiert: Methodische, soziale, persönliche und fachliche Kompetenz. Der konkreten Delegationsentscheidung sollte dabei die Selbsteinschätzung des in Frage kommenden Mitarbeiters sowie die Fremdeinschätzung durch die potenziell delegierende Person vorausgehen.

Die Autorinnen empfehlen ein Delegationsmodell, bei dem wie in einer Matrix das Mitarbeiterpotenzial einerseits und das erhoffte Entlastungspotenzial andererseits gegenübergestellt werden. Dort, wo beide Faktoren als hoch eingeschätzt werden, sollte eine Delegation erwogen werden.

Am konkreten Beispiel der Überlastung von Intensivstationen diskutieren die Autorinnen Fallbeispiele für die Delegation im Krisenfall. Freilich werden die geschilderten Positivbeispiele nicht die Regel sein – wie beispielsweise eine Pflegefachkraft mit Intensiverfahrung, die seit einigen Jahren nicht mehr in der Pflege berufstätig war und nun nur noch eine technische Geräteeinweisung benötigen würde.

Die Autorinnen dringen darauf, die Kompetenzen der Mitarbeiter vor Eintritt der Notsituation einzuschätzen. „Dann können Sie anhand des Delegationsmodells in Notsituationen schnelle Entscheidungen treffen.“ (fst)

Mehr zum Thema

Bedarfsplanung

12 neue Psychotherapie-Sitze in Rheinland-Pfalz

Instrument für bessere Niederlassungssteuerung

Sachsen-Anhalt will Zulassungssperre für Zahnärzte prüfen

Das könnte Sie auch interessieren
Innovationsforum für privatärztliche Medizin

Tag der Privatmedizin 2023

Innovationsforum für privatärztliche Medizin

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Umgang mit Multimorbidität in der Langzeitpflege

© Viacheslav Yakobchuk / AdobeStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Springer Pflege

Umgang mit Multimorbidität in der Langzeitpflege

Anzeige | Pfizer Pharma GmbH
COVID-19 in der Langzeitpflege

© Kzenon / stock.adobe.com

Springer Pflege

COVID-19 in der Langzeitpflege

Anzeige | Pfizer Pharma GmbH
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kammerversammlung

ÄKNo-Präsident Henke stellt sich nicht mehr zur Wahl

Lesetipps
Verschiedene Gesichter

© Robert Kneschke / stock.adobe.com / generated with AI

Tag der Seltenen Erkrankungen

GestaltMatcher – Per Gesichtsanalyse zur Orphan Disease-Diagnose

Eine Koloskopie

© Kzenon / stock.adobe.com

Nutzen-Risiko-Evaluation

Familiär gehäufter Darmkrebs: Screening ab 30 sinnvoll