Pflegereform

"Wir brauchen junge Menschen mit Herzenswärme"

Schulnoten und wissenschaftliches Verständnis sind nicht die entscheidenden Kriterien für gute Pfleger: Arbeitgeber-Präsident Kramer warnt davor, überzogene Anforderungen an zukünftige Pflegekräfte zu stellen.

Veröffentlicht: 23.04.2018, 11:11 Uhr
Empathie statt Noten: BDA-Chef Kramer will potenzielle Nachwuchspflegekräfte nicht durch überzogene Forderungen abschrecken.

Empathie statt Noten: BDA-Chef Kramer will potenzielle Nachwuchspflegekräfte nicht durch überzogene Forderungen abschrecken.

© Africa Studio / stock.adobe.com

BERLIN. Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer hat vor einer Verschärfung des Pflegenotstandes durch überzogene Ausbildungsanforderungen für Pflegekräfte gewarnt. "Wir brauchen junge Menschen mit normalen Schulnoten aber viel Herzenswärme und Geduld gerade in der Altenpflege", hat der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der "Bild"-Zeitung am Montag gesagt.

"Wenn wir sie mit Anforderungen eines Studiums "Medizin light" abschrecken und überfordern, verschärfen wir den Pflegenotstand", so Kramer.

Kramer verwies auf die nun vorgelegte Ausbildungsverordnung für den künftigen Beruf einer Pflegefachfrau beziehungsweise eines Pflegefachmannes. Er soll ab 2020 die bisher eigenständigen Berufe des Altenpflegers, des Krankenpflegers und des Kinderkrankenpflegers ablösen. Pflegekräfte sollen dem Bericht zufolge danach künftig unter anderem über "ein breites Verständnis von spezifischen Theorien und Modellen zur Pflegeprozessplanung" verfügen. Außerdem sollen sie "pflegebezogene Daten anhand von pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen erheben und interpretieren".

Diese Anforderungen seien völlig überzogen, warnen die Arbeitgeberverbände. Mehr als die Hälfte der Auszubildenden in Pflegeberufen habe nur den Hauptschulabschluss. (dpa)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
P.-A. Oster

Professionelle Pflege benötigt professionell qualifizierte Fachkräfte, nur ....

ist es so, dass pflegebedürftige Menschen mehr die ''Herzenswärme'' interessiert, als gute Schulnoten!!
Gerade Schüler/innen mit schwachen Noten wollen ihr ''theoretisches'' Defizit mit viel Empathie ausgleichen. Wie ich zu dieser Behauptung komme?

Habe neben der Praxistätigkeit an einer Berufsschule zahnmedizische Azubinen ausgebildet. Ihre mangelnde Lernfähigkeit in der Schule und die Fähigkeit das Erlernte mit der praktischen Tätigkeit zu verknüpfen, konnte ich fast immer durch einen permanenten Bezug zur Praxis herstellen.
Diejenigen, die es trotzdem nicht schafften, riet ich, sich als Kindergärtnerin, bzw. Pflegehelferin auszubilden. Und sie waren dann erfolgreich und glücklich.
Denn es ist nicht zwingend erforderlich, sich Anatomie, Physiologie und Mikrobiologie ''reinzuziehen'', wie es von zahnmedizinischen Fachangestellten gefordert wird.
Für die Pflegekräfte ist eine stark verkürzte (sic) Ausbildung mit intensiver theoretischer und praktischer Ausbildung in ''Erster Hilfe'' und Hygiene völlig befriedigend!
Diese Ausbildung ist auch für lernschwache Schüler zu schaffen und meine Überzeugung: Da sie unbedingt mit Menschen direkt arbeiten wollen, werden sie alles daran setzen, mit ''Herzenswärme'' Defizite auszugleichen.
Weiteres Wissen können sie sich später in Fortbildungen zu Fachkräften aneignen.
Das ist wohl mit einem ''gut entwickelten und begründeten Skillmix'' zu verstehen, oder???
Dentily yours >med.dent. P.-A. Oster<

Prof. Dr. Martina Hasseler

Professionelle Pflege benötigt professionell qualifizierte Fachkräfte

Die Phrase, wir benötigen junge Menschen mit Herzenswärme in der Pflege, ist nicht nur abgedroschen, sondern signalisiert darüber hinaus, dass Menschen mit weniger guten Noten über automatisch mehr "Herzenswärme" verfügen und Personen mit höheren akademischen Abschlüssen und guten Noten diese empathischen Fähigkeiten nicht aufweisen. Diese Gleichsetzung habe ich in den Diskussionen zur Professionalisierung der Pflege nie verstanden. Des Weiteren können wir empirisch auf der Grundlage diverser Erkenntnisse herleiten, dass akademisch qualifzierte Fachkräfte einen qualitativen Unterschied in der Versorgung von Patienten machen (weniger Komplikationen etc.). Ich stimme überein, dass wir sicherlich nicht überall in der pflegerischen Versorgung akademisch qualifzierte Pflegefachpersonen benötigen, aber ein gut entwickelter und begründeter Skillmix zeigt für die Qualität in Gesundheit und PFlege eine Wirkung. Diese Diskussionen zur Qualifizierung und Professionalisierung von pflegerischen Berufen sollte differenzierter und vor allem nicht nur von Arbeitgeberverbänden geführt werden. Mit freundlichen Grüßen, Univ.-Prof. Dr. Martina Hasseler, Pflegewissenschaft

Rudolf Hege

Immer mehr Theoretiker...

Je mehr die Akademisierung um sich greift, desto mehr Probleme "an der Front" wird man generieren. Lange Ausbildungen, die mit Theorie vollgestopft sind, selektieren vor allem Menschen, die gut viel lernen können. Das sind aber nicht automatisch auch diejenigen, die sich für Menschen und ihre "kleinen" Probleme interessieren. Gerade in der Pflege ist aber nicht der Analytiker gefragt, sondern eher der Seelsorger und Begleiter.

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