Berufspolitik

Wo die GKV Einsparpotenziale haben soll

BERLIN (hom). Im deutschen Gesundheitswesen schlummern Einsparpotenziale in Höhe von fast zehn Milliarden Euro. Würden die Kassen diese konsequent nutzen, wäre auch die aktuelle Beitragssatzerhöhung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) um 0,6 Prozentpunkte überflüssig, heißt es einer Studie.

Veröffentlicht: 09.01.2009, 05:00 Uhr
Wo die GKV Einsparpotenziale haben soll

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hatte in Anzeigen bereits im Vorfeld der letzten Gesundheitsreform verkündet, was sie von der Politik der großen Koalition hält - gar nichts.

© Foto: INSM

Die gesetzlichen Krankenkassen verfügten theoretisch über Effizienzreserven in Höhe von bis zu 9,8 Milliarden Euro, berichteten die Studienautoren Professor Stefan Felder von der Universität Duisburg-Essen und Dr. Boris Augurzky vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Beide hatten im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) nach Einsparmöglichkeiten im Gesundheitswesen gesucht - und wurden fündig.

Um Kosten zu senken, müssten sich die Preise für Behandlungen in Kliniken und Arztpraxen bundesweit an den Bundesländern orientieren, "die einen besonders wirkungsvollen Mitteleinsatz aufweisen", erklärten die beiden Forscher. Die Kosten für stationär und ambulant erbrachte medizinische Leistungen unterschieden sich von Bundesland zu Bundesland noch immer ganz erheblich. So sei die Behandlung einer akuten Blinddarm-Entzündung in einem Krankenhaus in Rheinland-Pfalz um zehn Prozent teurer als in einem Krankenhaus in Schleswig-Holstein.

Auch im ambulanten Bereich gebe es weiterhin erhebliche Preisunterschiede. Leistungen eines Arztes in Hamburg etwa würden um rund 42 Prozent höher von den Kassen vergütet als die eines in Niedersachsen tätigen Kollegen. Durch eine Reduktion des Punktwertes in der Ärztevergütung könne das Bundesland Hamburg seine Ausgaben pro GKV-Versicherten von heute 362 Euro um bis zu 76 Euro senken, rechneten Felder und Augurzky vor.

Zusätzlich existierten große Unterschiede in der Zahl der Arztbesuche und der verschriebenen Leistungen. Das Land Bayern beispielsweise könnte 14 Prozent seiner Gesundheitskosten einsparen, wenn es den Umfang vertragsärztlicher Leistungen auf den Bundesdurchschnitt reduzieren würde.

Weiteres Einsparpotenzial besteht den Studienautoren zufolge bei den Arzneimittelausgaben. Dies treffe vor allem auf die neuen Bundesländer zu, wo die Ausgaben pro Kopf um bis zu 60 Euro über dem Bundesdurchschnitt von 403 Euro liegen.

Mit mehr Wettbewerb und einem besseren Kostenmanagement könnten die gesetzlichen Kassen bei den Ausgaben für Kliniken 4,4 Milliarden Euro, bei denen für Medikamente 3,2 und bei denen für Arztpraxen noch einmal 2,2 Milliarden Euro sparen, glauben Felder und Augurzky. Zwei ihrer zentralen Forderungen lauteten: Das kollektive Kontrahieren zwischen Kliniken und Kassen müsse ein Ende haben und das "faktische Kartell der KVen" aufgebrochen werden.

Was ist die INSM?

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ist eine branchen- und parteiübergreifende Plattform aus Akteuren, die sich dem Gedanken der Sozialen Marktwirtschaft verbunden fühlen. Finanziert wird ihre Arbeit durch die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie. Seit dem Jahr 2000 wirbt die INSM mit öffentlichen Aktionen, Studien, Kongressen und Pressekonferenzen für ihre Anliegen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Verspätete Politikberatung

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