Berufspolitik

Zufriedene Ärzte - auch das kann Qualität in der Medizin sein

Qualität soll sukzessive eine neue Dimension bekommen. Die ersten Schritte für eine sektorübergreifenden Qualitätssicherung werden gemacht. Ein schwieriger Weg, sagt der Chef des Gemeinsamen Bundesausschusses Rainer Hess.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 27.11.2009, 05:00 Uhr

Zwei Jahre hat der Gemeinsame Bundesausschuss darüber beraten, welches unabhängige Institut mit der sektorübergreifenden Qualitätssicherung beauftragt werden soll. Nachdem vor kurzem die Entscheidung für das Heidelberger AQUA-Institut gefallen ist, werden in der kommenden Woche auch für Ärzte erste Ergebnisse sichtbar. Dann will AQUA einen ersten Entwurf für eine Methode veröffentlichen, wie sektorübergreifende Qualitätsindikatoren entwickelt werden können, kündigte Institutsleiter Professor Joachim Szecsenyi gestern beim 3. Qualitätskongress in Berlin an.

Die Herausforderung ist außerordentlich komplex, wie Professor Matthias Schrappe vom Gesundheits-Sachverständigenrat erläuterte: Es wird darum gehen, Indikatoren und Methoden zu entwickeln, die die Versorgungsqualität aus der Sicht des multimorbiden älteren Patienten messen.

Diese Indikatoren reichen über den einzelnen Behandlungsfall hinaus, müssen längere Versorgungsprozesse abbilden, daher auch die einzelnen Leistungssektoren überschreiten - und dürfen auch an Ländergrenzen nicht halt machen. Szecsenyi: "Im Drei-Länder-Eck von Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist es keine Seltenheit, dass Patienten in drei Bundesländern gleichzeitig oder nacheinander behandelt werden." Die Koordination komplexer Therapieabläufe werde jedoch in Zukunft ein entscheidendes Merkmal für die Versorgungsqualität gerade älterer Menschen sein, betonte Schrappe.

Dazu wird AQUA ein Qualitätsmodell entwickeln, das jenseits der Behandlung von Akutkranken auch das Leben von Menschen mit chronischen Krankheiten und die Versorgung am Lebensende in die Betrachtung einbezieht. Parameter müssen dafür entwickelt werden, wie effektiv und sicher die Versorgung ist und ob sie wirklich die Patienten zufrieden stellt. Szecsenyi: "Möglicherweise müssen wir auch mit einbeziehen, wie zufrieden die Ärzte in Praxen und Krankenhäusern mit ihrer Arbeitssituation sind. Auch das könnte ein wichtiger Qualitätsindikator sein."

GBA-Chef Rainer Hess warnt allerdings vor Euphorie und mahnt zur Bescheidenheit. Der Bundesausschuss selbst könne Qualität nur messbar und vergleichbar machen - Qualität selbst müsse von den Akteuren erarbeitet werden. Neue QS-Verfahren müssen sich deshalb auch daran messen lassen, dass die notwendigen Daten aus der Routine stammen und der bürokratische Aufwand beschränkt bleibt.

E-Karte und elektronische Dokumentation seien allerdings Mindestvoraussetzungen. Neue Indikatoren müssten echten Erkenntnisgewinn für Ärzte und Patienten bei ihren Wahlentscheidungen bringen. Und die bisherigen QS-Maßnahmen, die noch sektoraler Natur sind, werden keineswegs auf einen Schlag überflüssig.

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