Notfallversorgung

Zustimmung für Empfehlung der Sachverständigen

Zur Vorstellung und Diskussion der Gutachteninhalte führt der Sachverständigenrat mehrere Veranstaltungen durch. Auftakt war in Berlin.

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BERLIN. Vor dem Hintergrund der für das kommende Jahr geplanten Reform der Notfallversorgung diskutiert der Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen gegenwärtig mit Experten und Betroffenen seine im letzten Gutachten entwickelte Reformkonzeption. Bei einer solchen Diskussionsveranstaltung, die am Mittwoch in Berlin stattfand, zeigte sich eine weitgehende Zustimmung zu den Ratsempfehlungen.

Ursache der Reformnotwendigkeit sei, so Ratsmitglied Dr. Marion Haubitz, dass die Fallzahl in Krankenhaus-Notfallambulanzen seit 2009 um 143 Prozent auf 8,5 Millionen zugenommen habe. Dabei würden 55 Prozent der Patienten, die eine Notfallambulanz in Anspruch genommen haben, eine eher niedrige Dringlichkeit ihres Gesundheitsproblems nennen. Dies, so Haubitz, deute auf eine erhebliche Fehlallokation aufgrund von Unwissenheit und Unklarheit bei Patienten wegen ungeregelter Zuständigkeiten in der Notfallversorgung hin. Kernstücke der Reformvorstellungen des Sachverständigenrates sind:

- Die integrierte Leitstelle: erreichbar über die Telefonnummer 112 oder 116.117 und besetzt mit qualifizierten Kräften, die nach einem einheitlichen Notfallalgorithmus arbeiten und dabei auf Ärzte zurückgreifen können. Diese Leitstelle setzt den Rettungswagen mit Notarzt in Gang, vermittelt Notfallpflege, vereinbart Termine in Notfallambulanzen oder auch bei niedergelassenen Ärzten.

- Die reformierte Notfallambulanz mit einem erfahrenen Allgemeinmediziner an der Spitze: Sie verfügt über einen gemeinsamen Tresen, an dem entschieden wird, mit welcher Dringlichkeit welche weitere Behandlung ein Patient benötigt. Dies kann ambulant in der Notfallambulanz sein, in weniger dringlichen Fällen eine Überweisung zum Facharzt in der vertragsärztlichen Versorgung, aber auch eine Einweisung zur stationären Behandlung. Um die Unabhängigkeit der Notfallambulanz zu sichern, sollen KVen die Träger sein.

Der ärztliche Leiter der Rettungsstelle Benjamin Franklin der Charité in Berlin, Professor Rajan Somasundaram, wies auf die bedeutende Rolle der Digitalisierung des Gesundheitswesens hin. "In der Wirtschaft sprechen wir von Industrie 4.0, in der Medizin sind wir bei minus 4.0. Wir werden rechts und links überholt, zum Beispiel von Google, das für 100 Milliarden Dollar in Kalifornien ein Gesundheitszentrum aufbaut.

Somasundaram appellierte an seine Kollegen, endlich aufzuwachen; wobei man schon froh sein könne, wenn Ärzten und allen an der Patientenversorgung Beteiligten endlich eine elektronische Patientenakte zur Verfügung stünde. (HL)

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