Arzneimittelpolitik

Zwangsrabatte bremsen die Arzneiausgaben

Aus Sicht der Politiker hat der Arzneimittelmarkt in der GKV 2011 sein Klassenziel erreicht. Die Ausgaben sinken um zwei Prozent. Auch Rabattverträge legen an Bedeutung zu.

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht:

FRANKFURT/MAIN. Im Dezember 2011 haben Vertragsärzte Arzneimittel und Impfstoffe im Wert von 2,6 Milliarden Euro zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet, berichtet das Beratungsunternehmen IMS Health.

Das entspricht einem Rückgang von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die von Herstellern und Apotheken zu leistenden Zwangsrabatte sind dabei berücksichtigt, nicht dagegen die Einsparungen aus Rabattverträgen.

Für das Gesamtjahr 2011 ergibt sich damit ein Umsatz mit Arzneien im GKV-Markt in Höhe von 30,2 Milliarden Euro, ein Minus von zwei Prozent im Vergleich zum Jahr 2010.

Zwangsrabette bremsen Kostenentwicklung um 3,7 Milliarden Euro

Die Zahl abgegebener Packungen weist mit 683 Millionen einen leichten Zuwachs um 0,5 Prozent auf.

Wichtige Bremse bei der Kostenentwicklung waren im abgelaufenen Jahr die Zwangsrabatte für Hersteller, Apotheken und den Großhandel, die sich auf insgesamt 3,7 Milliarden Euro akkumuliert haben. Der Löwenanteil dabei entfällt mit 2,289 Milliarden Euro auf die Hersteller.

Dieser betrug im Jahr zuvor noch 1,605 Milliarden Euro. Im August 2010 ist der Abschlag für verschreibungspflichtige Arzneien ohne Festbetrag von sechs auf 16 Prozent erhöht worden.

Zwei Entwicklungen sind im Arzneimittelmarkt von besonderem Interesse:

Zum einen haben sich auch 2011 Rabattverträge im Segment patentfreier Medikamente weiter durchgesetzt. Statt 57 Prozent (2010) waren im vergangenen Jahr nun 61 Prozent der abgegebenen patentfreien Arzneimittel rabattgeregelt.

Im Ergebnis haben Apotheken 26 Millionen Packungen mehr abgegeben, für die ein Rabattvertrag bestand als 2010. Bei wichtigen Substanzen ist durch neue Verträge der Anteil der abgegebenen rabattgeregelten Packungen nochmals gestiegen: Beispielsweise bei Metoprolol von 59 (2010) auf 71 Prozent (2011) oder bei Omeprazol von 51 (2010) auf 83 Prozent (2011).

Zum anderen sind Rabattverträge ein Motor bei der Verschiebung hin zu größeren Packungen gewesen. Bei Medikamenten ohne Rabattvertrag nahm die Verordnung von Großpackungen (N3) um 7,4 Prozent ab, dagegen stieg sie bei Rabattmedikamenten um 12,7 Prozent. Im GKV-Gesamtmarkt betrug das Plus für N3 4,8 Prozent.

Dagegen nahm die Zahl verordneter N1-Packungen im GKV-Gesamtmarkt um 3,5 Prozent ab, bei N2 betrug der Rückgang 1,5 Prozent. Der Umsatz mit rezeptfreien Arzneimitteln (OTC) und Gesundheitsmitteln in Apotheken stagnierte im vergangenen Jahr bei 6,8 Milliarden Euro, ein marginales Plus von 0,3 Prozent im Vergleich zu 2010. Ein Wachstum konnte in diesem Segment nur der Versandhandel verbuchen.

Er legte bei OTC um 8,3 Prozent auf 72 Millionen Packungen zu. Geringer fiel das Plus mit 2,8 Prozent bei verschreibungspflichtigen Medikamenten aus (sechs Millionen Packungen).

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