Metall im Depot

15 Prozent Gold dürfen es sein

Gold schützt ultimativ vor der Euro-Krise: Mit solchen Behauptungen versuchen manche Crash-Propheten, Sparer zum massiven Einstieg ins Edelmetall zu drängen. Anleger sollten diesen Sirenengesang ignorieren, aber auf Gold und Co. nicht komplett verzichten.

Von Jürgen Lutz Veröffentlicht: 09.09.2012, 11:11 Uhr
15 Prozent Gold dürfen es sein

Egal, ob Barren oder Münzen: In Zeiten einer Finanzkrise wenden sich viele Anleger wieder der Kapitalanlage in Gold zu.

© Gina Sanders / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Obwohl in den Medien derzeit oft anderes zu lesen ist - der Höhenflug des Goldes hängt nicht in erster Linie von der Euro-Krise, sondern vor allem davon ab, ob die realen Zinsen negativ bleiben.

Der Grund dafür ist einfach: Edelmetalle werfen keine Erträge ab. Je höher daher die Zinsen anderer Investments im Verhältnis zur Inflation - also die realen Zinsen - sind, desto unattraktiver werden Gold und Silber für Anleger.

Umgekehrt gilt: "Sind die Zinsen niedriger als die Inflationsrate, spricht das für Edelmetalle", sagt Michaela Gajewski, die in Undenheim bei Mainz die Filiale der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart leitet.

Gajewski erwartet, dass die Zinsen dank der Intervention der Notenbanken weiter niedrig bleiben.

Der Blick in die vergangenen Jahrzehnte gibt ihr Recht: Gold verzeichnete die üppigsten Preiszuwächse in Phasen negativer Realzinsen - etwa in den 1970er-Jahren.

Die Notenbanken spielen für Anleger noch aus einem anderen Grund eine sehr wichtige Rolle. So treten die Währungshüter immer stärker als Käufer auf dem Goldmarkt auf, um sich selbst unabhängiger von anderen Währungen zu machen.

Fonds und Einkaufsgemeinschaft als Alternative

Nach Angaben des World Gold Council, des Interessenverbandes der Goldbranche, haben die Zentralbanken 2011 fast 440 neu gekaufte Tonnen in ihren Tresoren eingelagert.

Das ist mehr als ein Zehntel der globalen Nachfrage. Auch 2012 dürften die Notenbanken in ähnlichem Maßstab einkaufen - und das wird den Goldkurs nach Einschätzung des World Gold Councils weiter stützen.

Privatanleger können entweder Münzen beziehungsweise Barren kaufen und einlagern oder Anteile an einem besicherten Edelmetallfonds erwerben.

Der Vorteil: Im Fall der Fälle haben sie so physischen Zugriff auf das Edelmetall und sind nicht - wie bei gewöhnlichen Zertifikaten - davon abhängig, ob die emittierende Bank zahlungsfähig ist.

Beim Münzkauf lauert jedoch eine Gefahr, wie die Stiftung Warentest anmerkt: "Je kleiner die Münze, desto höher ist das Aufgeld auf den reinen Goldwert", so die Verbraucherschützer.

Diese Kosten lassen sich jedoch gering halten, wenn Anleger Gold über Fonds oder eine Einkaufsgemeinschaft erwerben (siehe Kasten).

Und wie viel Gold sollte ins Depot? Vermögensverwalterin Gajewski rät zu einem Anteil zwischen zehn und 15 Prozent.

So sind Anleger gegen den Verlust von Kaufkraft gewappnet, aber nicht schutzlos, wenn die Zeit der negativen Realzinsen enden sollte. So wie in den 80er Jahren in den USA, als Goldanleger Verluste von bis zu 50 Prozent verbuchten.

"Anleitung zum Goldkauf"

Edelmetallhändler: Renommierte Händler verkaufen alle gängigen Gold- und Silbermünzen, aber auch Barren. Allerdings zahlen Kleinanleger einen Aufschlag - beim Barrengold verlangt etwa der Händler pro aurum je Unze gut drei Prozent. Je kleiner die Einheit, desto höher der prozentuale Aufschlag. Beim Ein-Gramm-Barren beträgt der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis 20 (!) Prozent (www.proaurum.de).

Einkaufsgemeinschaften: Diese Gemeinschaften bündeln die Kaufkraft vieler Anleger und erwerben mit ihrem Geld größere Mengen Gold und Silber, sodass die Aufschläge nur sehr gering ausfallen. Damit bekommen die Käufer mehr Anteile für ihr Geld. Anleger sollten sich genau ansehen, mit wem sie es zu tun haben. Eine etablierte Adresse ist die Einkaufsgemeinschaft für Gold und Silber (www.goldsilber.org).

Edelmetall-Fonds: Die Kaufkraft der Anleger bündeln auch Fonds wie der Zürcher Kantonalbank (ZKB) Goldfonds, der über Schweizer Börsen gekauft werden muss.

Xetra-Gold: Anders als Fonds, die Sondervermögen darstellen, ist das von der Deutschen Börse emittierte Xetra-Gold eine mit Gold besichert Inhaberschuldverschreibung.

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