Praxen und Kliniken

Abgestimmte Versorgung ist ein Muss

Weil der Bedarf wächst, muss die Versorgung in Praxen und Kliniken abgestimmt werden, hieß es beim Bayerischen Gesundheitsforum. Doch niemand kenne den wirklichen Bedarf.

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ANDECHS. Für eine bessere Abstimmung von ambulanter und stationärer Versorgung will sich das bayerische Gesundheitsministerium in Zukunft angesichts der absehbaren Probleme einer wohnortnahen ärztlichen Versorgung einsetzen.

Zwar sei die medizinische Versorgung derzeit in praktisch allen Landesteilen noch gut, räumte die Leiterin der Abteilung Gesundheitspolitik, ambulante Versorgung und Krankenversicherung, Gabriele Hörl, beim Bayerischen Gesundheitsforum im Kloster Andechs ein.

"Wir sehen aber jetzt schon, dass sich was verändert", sagte die Ministerialdirigentin bei der Diskussionsveranstaltung, die von Novartis, MSD, Daiichi-Sankyo und GlaxoSmithKline unterstützt wurde.

Der Versorgungsbedarf steige stärker als die Zahl der Ärzte. Notwendig sei deshalb eine bessere Zusammenarbeit über die Sektorengrenzen hinweg.

Zudem unternehme ihr Ministerium Anstrengungen, um den ärztlichen Nachwuchs zu fördern und die Niederlassung in Gebieten mit drohender Unterversorgung finanziell zu unterstützen.

"Man muss sich schon fragen, welche Auswirkungen die bayerischen Aktivitäten für die medizinische Versorgung in anderen Bundesländern haben", kommentierte Professor Volker Amelung, Vorstandsvorsitzender des Bundesverband Managed Care, die Förderprogramme des Landesgesundheitsministeriums.

Delegation bietet "großes Potenzial"

Tatsächlich kenne niemand den wirklichen Bedarf an medizinischer Versorgung. Alle Daten zur Bedarfsplanung stammten aus einer Zeit der Überversorgung, gab Amelung zu bedenken.

Es sollte deshalb auch überlegt werden, "ob wir mit unseren Ressourcen nicht zu großzügig umgehen". Die Delegation ärztlicher Leistungen biete jedenfalls ein "großes Potenzial", sagte Amelung.

Der Grundsatz "ambulant vor stationär" habe nach wie vor Gültigkeit, betonte der Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer, Dr. Wolfgang Rechl.

Allerdings widerspreche die Vergütungssystematik diesem Grundsatz massiv. Für die Krankenhäuser sei es immer noch finanziell attraktiver, einen Patienten stationär aufzunehmen statt ihn ambulant zu versorgen, so Rechl.

Für die wohnortnahe Versorgung werden auch künftig Krankenhäuser benötigt, sagte der Vorstandsvorsitzende des Klinikums Augsburg Alexander Schmidtke.

Allerdings treffe die politisch gewollte Marktbereinigung in erster Linie die kleinen Krankenhäuser. Deshalb sollten regionale Versorgungskonzepte unter Beteiligung aller entwickelt werden. "Wenn ein schlüssiges Konzept für die Region vorgelegt wird, kann es auch eine staatliche Förderung geben", so Schmidtke. (sto)

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