Europäischer Gesundheitskongress

Ärztemangel gefährdet Klinikbetriebe

Kliniken kämpfen damit, Fachärzte zu finden. Können die Akquise im Ausland oder Technik helfen?

Veröffentlicht: 03.11.2018, 11:11 Uhr

MÜNCHEN. Der Ärztemangel plagt die Kliniken, so Martin Neuhaus, Leiter des Personalwesens der Kliniken Nordoberpfalz AG, vor Kurzem beim Europäischen Gesundheitskongress in München.

Für den Standort Weiden gestalte es sich schwierig, einen Neonatologen oder Perinatalmediziner zu finden, was die Einstufung als Level-1-Zentrum gefährde. Gleiches gelte aufgrund des Kardiologenmangels auch für das Herzkatheterlabor.

„Wir haben keine Wahl, als unsere Struktur zu ändern“, sagte Neuhaus. Der Personalmangel habe erheblichen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung, und im Zweifel drohe auch die Gefahr der Umstrukturierung von Standorten.

Für Personalakquise habe die Klinik zuletzt 700.000 Euro ausgegeben, etwa für die Suche nach Chef- und Oberärzten über den Anbieter Exclusive Search. Die überbrückenden, externen Ärzte hätten zudem 1,2 Millionen Euro gekostet.

„Wir werden das Problem Ärztemangel mit inländischen Kräften nicht in den nächsten Jahren ausgleichen können“, resümierte Swjatoslaw Aksamitowski, Geschäftsführer der QI Consult GmbH. Dienstleister und Kliniken rekrutierten international, viele Nicht-EU-Bürger sendeten Bewerbungen.

Die Erfolgschancen bei den relevanten Stellen sollten vorab berücksichtigt werden. So müsse die Ausländerbehörde grünes Licht geben, die Landesprüfungsbehörde die Approbation erteilen. Fast jeder Nicht-EU-Bewerber müsse noch Prüfungen absolvieren.

„Etwa einer von tausend bekommt die fachärztliche Ausbildung vollständig anerkannt“, so Aksamitowski. Um Daten zur Qualifikation schnell einzuschätzen, könnten Plausiblitätsprüfungen, elektronische Filter und optische Dokumenterkennung genutzt werden.

Zehnfache Datenmenge als noch vor fünf Jahren

Effiziente Ressourcennutzung forderte Michael Heider, Business Group Manager Imaging Systems bei der Philips GmbH. Schon jetzt sei die zehnfache Datenmenge im Vergleich zu vor etwa fünf Jahren zu verarbeiten, bis 2020 solle es das Zwanzigfache sein.

KI solle helfen, „(…) große Datenmengen in handlungsrelevante Information zu übersetzen.“ Das sei in der Medizin anwendbar, etwa in der Radiologie. Neue Systeme wie die App „AI Engine“ sollten effizient Information erfassen, integrieren und aufbereiten. Die Befundung behalte der Arzt.

Die Verfügbarkeit von Ergebnissen bildgebender Verfahren an Klinik-Computern könne von bis zu einer halben Stunde auf eine halbe Minute reduziert werden. Auf sogenannten Dashboards (Arbeitsoberflächen) könnten sich mehrere Ärzte für Konferenzen zuschalten.

Das System „IntelliSpace Oncology“ werde bereits in Utrecht verwendet, ähnliche Ansätze solle es für Kardiologie und Notfallambulanzen geben.

Und welche Faktoren außer Technik gibt es außerdem, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten? Das Elisabeth-Krankenhaus Rheydt versucht, mit gutem Essen zu punkten, erläuterte Professor Georg Sabin, Chefarzt der Kardiologie an diesem Krankenhaus. Das sei für alle sinnvoll – auch für Patienten, etwa bei Herzproblemen oder nach Op. (cmb)

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 06.11.2018 um 13:33 Uhr.

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