Geld und Vermögen

Aktien: Biotech erlebt eine Renaissance

Investoren sehen hohes Gewinnpotenzial bei Biotech-Aktien. Grund dafür ist der weltweit steigende Bedarf an neuen Medikamenten, etwa bei der wachsenden Mittelschicht in aufstrebenden Nationen wie zum Beispiel in Lateinamerika.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:

NEU-ISENBURG. Biotechnologie-Aktien erleben an der Börse ihren zweiten Frühling. Obwohl die Kurse bereits kräftig gestiegen sind, sehen Analysten weiteres Aufwärtspotenzial.

Für James Gordon hat die Aktie von Morphosys ihr Kurspotenzial noch nicht ausgereizt, auch wenn das Papier dieses Jahr bereits um mehr als 80 Prozent auf über 55 Euro gestiegen ist: "Der faire Wert liegt bei 68 Euro", sagt der Analyst der US-Bank JP Morgan.

"Das weit entwickelte Antikörper-Portfolio der Biotech-Firma dürfte ihre Gewinne und damit ihren Börsenwert weiter vorantreiben."

Auch Deutsche-Bank-Analyst Gunnar Romer rät zum Kauf der Aktie des deutschen Biotech-Unternehmens, das in den ersten neun Monaten dieses Jahres seinen Konzernumsatzerlös gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 80 Prozent auf 63,6 Millionen Euro steigern konnte: "Morphosys ist auf einem eindrucksvollen Entwicklungspfad."

Zur Gewinnsteigerung beigetragen hat unter anderem ein Lizenzabkommen mit GlaxoSmithKline. Der britische Pharmakonzern zahlt kräftig, um Morphosys' klinisches Antikörperprogramm MOR103 nutzen zu können.

Kurse steigen wieder

Nicht nur die Aktie der Gesellschaft aus Martinsried bei München steht bei Analysten und bei Investoren auf der Kaufliste. Weltweit haben in den vergangenen zwölf Monaten die Kurse von Biotech-Unternehmen deutlich zugelegt.

Der Weltindex für Biotechnologiewerte des US-Finanzdienstleisters MSCI ist seit November vergangenen Jahres mehr als 70 Prozent im Plus. Zuletzt waren Biotech-Aktien 1999 und 2000 so stark gestiegen.

Doch dann waren die Werte mit in den Abwärtsstrudel geraten, als die Internetblase platzte und die Börsen auf Talfahrt gingen. Seither stagnierte der Sektor - bis nun der neue Aufwärtstrend begann.

Was die Werte so begehrlich macht, sind zwei Megatrends, die immer stärker in den Fokus der Investoren rücken: die fortschreitende Überalterung der Gesellschaften in den westlichen Industriestaaten und die wachsende Mittelschicht in den aufstrebenden Nationen.

Viele neue Zulassungen

"Biotech-Unternehmen arbeiten an den Arzneimitteln der Zukunft", sagt Nathalie Lötscher, Managerin des UBS Equity Lux Biotech Fonds. Damit profitierten die Gesellschaften sowohl von der steigenden Zahl älterer, kranker Menschen in Westeuropa, Nordamerika und Japan wie von der stetig größer werden Zahl zahlungskräftiger Patienten in Asien und Lateinamerika.

"Viele Investoren sehen Biotechnologie-Aktien deshalb als große Wachstumswerte", sagt Vadim Zlotnikov, Chefstratege der Investmentgesellschaft AllianceBernstein.

Zudem arbeiten Biotechnologie-Unternehmen heute viel effektiver als vor zwölf Jahren. "Allein in den USA haben Branchenfirmen im vergangenen Jahr 39 neue Medikamente zur Marktreife entwickelt", sagt Steve Silver, Analyst des US-Analysehauses S&P Capital IQ.

Das ist die höchste Zahl an Neuzulassungen, die Biotech-Firmen in einem Jahr von der Aufsichtsbehörde Food and Drug Administration erhalten haben. In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden weitere 20 neue Arzneimittel zugelassen.

Allerdings dauert es Jahre, bis neue Medikamente zur Marktreife gebracht sind - und längst nicht jedes Forschungsvorhaben mündet in einen Erfolg. Um ihre Risiken zu begrenzen und ihre Renditechancen zu erhöhen, fahren Anleger deshalb am besten, wenn sie bei Investments in die Branchenwerte nicht auf Einzeltitel setzen, sondern über Fonds ihr Kapital über eine Vielzahl von Werten streuen.

Zu den Sektorfonds, die in den vergangenen Jahren besonders erfolgreich abgeschnitten haben, zählen der Dekalux Biotech mit einer Ein-Jahres-Rendite von 52,4 Prozent und einem Drei-Jahres-Ertrag von 121,73 Prozent, der DWS Biotech (ein Jahr: 46,52 Prozent, drei Jahre: 123,59 Prozent), der SEB Concept Biotechnology (55,21 und 130,53 Prozent) sowie der UBS Lux Equity Biotech (44,27 und 114,01 Prozent).

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