Anlagen-Kolumne

Anlegern blüht freundlicher Jahresausklang

Von Jens Ehrhardt Veröffentlicht:

Die Zeichen stehen nicht schlecht, dass das Jahresende positiv verläuft. Seit 2003 stand der Dax nach dem 19. November am 31. Dezember immer höher. Im Schnitt sogar um fast drei Prozent.

Die abgelaufene Berichtssaison verlief in den USA und auch in Europa positiv und gibt keinen akuten Anlass zur Sorge, auch wenn Ausblicke häufig vorsichtig formuliert wurden.

Die Konjunkturdaten in den USA sind weiterhin gut, und in Europa gibt es erste Anzeichen der Stabilisierung. Im Grunde wird der Aktienmarkt aber von drei anderen Einflussfaktoren getrieben, die mehr mit der Geldpolitik als mit dem Konjunkturverlauf zusammenhängen: Zum einen durch fehlende Alternativen, denn Anleihen bringen selbst mit einer Laufzeit von sieben Jahren inzwischen keine Rendite mehr.

Zum anderen kommt ein neues Phänomen, nämlich die Erhebung negativer Zinsen von Sparern. Große Investoren trifft es schon heute, aber auch private Anleger werden zukünftig davon betroffen sein.

Sicher nicht sofort, aber mit der Zeit werden sich die Anleger andere Alternativen als das Sparbuch suchen und ihr Geld auch in Aktien investieren, wo auch bei guten Unternehmen heute noch drei Prozent Dividendenrendite zu erzielen sind.

Investoren erwarten Anleihekaufprogramm

Der dritte Punkt, der unmittelbar mit den anderen beiden genannten zusammenhängt, ist die Erwartung einer weiteren geldpolitischen Lockerung seitens der Europäischen Zentralbank (EZB).

Wie die aktuelle Fondsmanagerumfrage von Merrill Lynch zeigt, erwarten 70 Prozent der Investoren ein breit angelegtes Anleihekaufprogramm (50 Prozent sogar schon bis 1. Quartal 2015).

Über Sinn und Zweck kann man streiten, aber solange diese Erwartung nicht enttäuscht wird und der EZB-Präsident Mario Draghi diese sogar noch nährt, ist es schwer, für stark fallende Aktienmärkte zu argumentieren.

Weiterhin ist der Fondsmanagerumfrage zu entnehmen, dass die Cashquoten relativ hoch sind, die Positionierung in Europa neutral, die in USA und Japan dagegen deutlich gestiegen ist. Frankreich und die Schweiz sind die unbeliebtesten Märkte und nahezu jeder Fondsmanager geht von einem steigenden US-Dollar aus (antizyklisch spricht das für den Euro).

Fazit: Steigt am Freitag der ifo-Index (zuletzt sechs Mal gefallen) und/oder schafft der Dax den Sprung über die 200-Tage-Linie (bei circa 9.500 Punkten), dürften Anleger erleichtert reagieren und mit steigender Aktiennachfrage für einen freundlichen Jahresausklang sorgen.

Denn der Optimismus und die Investitionsquoten sind derzeit in Deutschland nicht zu hoch.

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