Künstliche Intelligenz

Big Data – eher Chance denn Bedrohung

Die Digitalisierung macht den Arztberuf nicht überflüssig. Sie entlastet Ärzte viel mehr, so Experten.

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DORTMUND. Ärzte müssen keine Angst haben, durch die Digitalisierung im Gesundheitswesen überflüssig zu werden. Sie sollten sich aber auf eine Veränderung ihres Berufsbildes einstellen. Mediziner werden künftig mehr Zeit für ihre Patienten haben, der Stellenwert der Beratung wird wachsen, prognostiziert Christian Baudis, Digitalunternehmer und ehemaliger Chef von Google Deutschland. "Sie werden als Arzt immer noch relevant sein, aber nur mit Top-Beratung", so Baudis auf dem Kongress "Medizinische Versorgung im digitalen Zeitalter" der KV Westfalen-Lippe, zu dem Anfang Oktober über 200 Ärzte und Psychotherapeuten nach Dortmund kamen.

Daten schnell zur Hand

Künftig würden immer mehr Patienten mit Gesundheitsdaten in die Praxis kommen, die sie via Apple-Watch, Apps oder sonstwie erhoben haben, erwartet Baudis. Damit entfalle für Ärzte zumindest die Erfassung einfacher Daten. "Wenn die Daten vorher eingespielt werden, ermöglicht das eine bessere Beratung und eine bessere Gesundheitsversorgung."

"Expertise und Empathie sind weiterhin gefragt", schätzt auch der Bochumer Urologe Dr. Peter Peters, Vorsitzender des E-Health-Ausschusses der KVWL. Mit der wachsenden Digitalisierung würden ärztliche Kompetenz und Analysefähigkeit eher mehr Bedeutung bekommen. Peters: "Als Ärzteschaft müssen wir uns den Erwartungen der Patienten öffnen". Er berichtete von einer älteren Patientin, die zur Abklärung einer Inkontinenz mit ihrer Krankenpflegerin in seine Praxis gekommen war. Die Pflegerin hatte für die Patientin eine Inkontinenz-App installiert. "Viele Informationen musste ich nicht mehr erfassen und konnte die Dinge gleich einordnen".

Auslegung bleibt gefragt

Pascal Nohl-Deryk, Arzt in Weiterbildung und Vorstand der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland, sieht vor allem Vorteile, wenn Patienten künftig zum Lieferanten ihrer Gesundheitsdaten werden. "Wenn Daten gleich von der Insulinpumpe geschickt werden, muss ich mir kein verschmiertes Diabetes-Tagebuch anschauen". Als die spannendste Entwicklung bezeichnetet Nohl-Deryk den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Medizin. "Künstliche Intelligenz ist intelligenter als wir alle, wenn sie gut gemacht ist." Aus Angst vor dem Verlust des Macht- und Wissensmonopols hätten viele Ärzte unnötige Vorbehalte gegen die Digitalisierung. "Ärzte müssen die Systeme mit einer klinischen Perspektive füttern".

Außerdem müssten sie die Ergebnisse den Patienten erläutern – ein weiteres starkes Argument mehr die Befürchtung, Algorithmen könnten den Arztberuf irgendwann ablösen. (iss)

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